DLR - Raumflugbetrieb und Astronautentraining
Es ist das weltweit längste Raketenprogramm für Forschung in Schwerelosigkeit und feiert heute ein Jubiläum: 35 Jahre nach der ersten TEXUS-Mission im Dezember 1977 ist die 50. TEXUS-Rakete am 12. April 2013 um 6:25 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit vom Raumfahrtzentrum Esrange bei Kiruna in Nordschweden erfolgreich in den Weltraum gestartet. 15 Minuten dauerte der Flug, davon herrschten 6 Minuten und 20 Sekunden Schwerelosigkeit. Ein Fallschirm brachte die wissenschaftlichen Nutzlasten nach dem Flug wieder zurück zum Boden.
Die Forschungsrakete des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) trug vier deutsche Experimente aus Biologie und Materialforschung in eine Höhe von 261 Kilometern. Die Rakete des Typs "VSB-30" wurde dabei nur direkt nach dem Start beschleunigt und flog dann antriebslos weiter.
"Hauptnutzlast der TEXUS-50-Mission ist die in Deutschland entwickelte Elektromagnetische Levitationsanlage EML", berichtet Otfried Joop, TEXUS-Projektleiter beim DLR-Raumfahrtmanagement, und ergänzt: "Mit ihr erforschen Wissenschaftler des DLR-Instituts für Materialphysik im Weltraum in zwei Experimenten thermophysikalische Eigenschaften und das Erstarrungsverhalten von Metall-Legierungen, die von industriellem Interesse sind. Die Forscher untersuchen dazu eine Aluminium-Nickel-Verbindung, die in der Luftfahrt und anderen Verkehrssystemen verwendet wird, sowie eine Nickel-Zirconium-Legierung."
Anhand von Sporenträgern eines Pilzes möchten Forscher der Universität Marburg die allerersten Reaktionen eines Organismus auf Schwerkraftänderungen untersuchen: Wie werden diese wahrgenommen und wie schnell reagiert der Pilz auf den Wechsel von Schwerkraft und Schwerelosigkeit? "Die relativ lange Schwerelosigkeit der Rakete und eine eingebaute Präzisionszentrifuge sollen es den Wissenschaftlern erlauben, zum ersten Mal die Kinetik und den Grenzwert, also die Mindeststärke der Schwerkraft, die der Pilz braucht, um zu reagieren, zu messen", erklärt DLR-Projektleiter Otfried Joop.
Im zweiten biologischen Experiment auf TEXUS 50 wollen Wissenschaftler der Universität Freiburg Gene und Genprodukte ("Boten-RNA") identifizieren, die bei der Wahrnehmung und der Verarbeitung des Schwerkraftreizes in Pflanzen eine Rolle spielen. Dazu fliegen Keimlinge der "Acker-Schmalwand" mit, einer Pflanze, die aufgrund ihrer relativ einfachen genetischen Struktur seit den 1940er Jahren von Forschern als "Modellorganismus" benutzt wird. "Die TEXUS-Keimlinge werden im Anschluss an den Flug mit den am Boden gebliebenen Pflanzen verglichen", fasst Otfried Joop zusammen. Die Forscher suchen unter anderem Antworten auf die Frage, welche Klassen von Genen bei der Schwerkraftänderung aktiviert oder inaktiviert werden.
Doppelkampagne: Zwei Raketen in einer Woche
"Seit 1981 ist TEXUS 50/51 zudem die erste deutsche Doppelkampagne", schildert Otfried Joop. Eine Woche nach der Jubiläumsmission soll TEXUS 51 am 19. April 2013 mit vier weiteren Experimenten deutscher Wissenschaftler startbereit sein:
Mit dem Partikeleinbau bei der Züchtung von Siliziumkristallen für die Photovoltaik beschäftigen sich Forscher vom Fraunhofer IISB in Erlangen, der Universität Freiburg und der Universität Bayreuth bei ParSiWal. Das Experiment soll klären, durch welche Mechanismen für die Materialeigenschaften nachteilige Siliziumkarbid-Partikel bei der Kristallisation in den Siliziumkristall eingebaut werden. Denn bei der industriellen Produktion von Silizium-Solarzellen für die Photovoltaik behindern Siliziumcarbid (SiC)-Partikel die mechanische Bearbeitung des Produktes und verschlechtern den Wirkungsgrad der Solarzellen. Der Einbau der SiC-Partikel in den Siliziumkristall muss deshalb vermieden werden. Die Partikel entstehen während der Kristallisation in einer mit Kohlenstoff verunreinigten Siliziumschmelze. Die Schwerkraft beeinflusst maßgeblich die Strömung in der Schmelze und lässt die SiC-Partikel absinken, da sie eine höhere Dichte besitzen als Silizium. Im Weltall sind diese schwerkraftgetriebenen Effekte ausgeschaltet. Das verringert die Komplexität der Vorgänge erheblich und erleichtert damit auch deren physikalische Beschreibung. Die Erkenntnisse sollen schließlich zu einer Verbesserung von Qualität und Wirkungsgrad der Solarzellen beitragen.
Das Experiment FOKUS vom Max-Planck-Institut für Quantenoptik in München soll nachweisen, dass die Technologie eines so genannten "Frequenzkammes" für Anwendungen in der Raumfahrt ausgereift ist. Herzstück eines Frequenzkammes ist ein gepulster Laser, der optische Frequenzen misst. Künftig soll diese Technologie in der Präzisions-Spektroskopie, etwa bei der Untersuchung von Spurengasen in der Atmosphäre, in der Astrophysik oder bei neuartigen, extrem genauen Atomuhren für Forschungsmissionen oder für die Navigation eingesetzt werden. Der Frequenzkamm ist ein Laser, der 1999 am Max-Planck-Institut für Quantenoptik entwickelt wurde und für dessen Entwicklung Prof. Theodor W. Hänsch 2005 den Nobelpreis für Physik erhalten hat.
Das medizinisch-biologische Experiment SITI-2 einer Wissenschaftlergruppe der Universität Magdeburg möchte Mechanismen aufklären, die zu Störungen des menschlichen Immunsystems in der Schwerelosigkeit führen. So leiden einige Astronauten bei längeren Aufenthalten im All verstärkt unter Infektionen. Auf dem TEXUS-51-Flug werden dazu Zellkulturen eingesetzt, in denen die Aktivität von Genen des Immunsystems mithilfe moderner DNA-Chip-Technologie untersucht werden soll. Sollte sich die Vermutung der Wissenschaftler bestätigen, dass bestimmte Moleküle der Zellmembran für die durch Schwerelosigkeit hervorgerufenen Störungen verantwortlich sind, könnten diese Erkenntnisse langfristig zu neuen Ansätzen bei der Bekämpfung von Krankheiten führen.
Im materialwissenschaftlichen Experiment TRACE-3 vom Forschungszentrum ACCESS in Aachen werden schließlich Vorgänge und Strukturen analysiert, die bei der Erstarrung metallischer Legierungen eine Rolle spielen. Dies überprüfen die Wissenschaftler beispielhaft an einem Gemisch organischer Substanzen, das ähnlich wie flüssiges Metall erstarrt. Der Erstarrungsprozess kann dabei direkt beobachtet werden, da die Legierung durchsichtig ist. Die Daten sollen industrielle Gießprozesse verbessern.
Im gesamten TEXUS-Programm wurden seit 1977 etwa 300 wissenschaftliche Experimente durchgeführt, 70 Prozent davon im Auftrag des DLR und etwa 30 Prozent im Rahmen einer Beteiligung durch die europäische Raumfahrtagentur ESA. "Zusammen mit anderen Fluggelegenheiten des DLR ist TEXUS damit ein essenzieller Baustein für die Grundlagenforschung in Schwerelosigkeit und damit auch für die Vorbereitung von längerfristigen Weltraumexperimenten, etwa auf der Internationalen Raumstation ISS", resümiert DLR-Projektleiter Joop.
Deutsche Wissenschaftler wollen Einfluss des Weltraums auf unser größtes Organ untersuchen
Unsere Haut hat viele Aufgaben: Sie reguliert unter anderem den Wasser- und Temperaturhaushalt unseres Körpers, verhindert das Eindringen von Krankheitserregen, schützt vor UV-Strahlung und dient als Sinnesorgan. Doch wie reagiert sie auf die rauen Bedingungen des Weltraums? Dieser Frage gehen Wissenschaftler in dem vom Raumfahrtmanagement des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) geförderten Experiment "SKIN B" nach. Dieses ist am 28. März 2013 um 21.43 Uhr Mitteleuropäischer Zeit (MEZ) zusammen mit den Astronauten der ISS-Expedition 35 an Bord einer Sojus-Rakete vom russischen Weltraumbahnhof in Baikonur zur Internationalen Raumstation gestartet und am 29. März um 03.28 Uhr MEZ an der Raumstation angekommen. Mit einer neuen Technik war die Sojus bis zur Ankunft an der ISS weniger als sechs Stunden (vier Orbits) unterwegs. Nach dem Andocken betraten die neuen Crewmitglieder bereits um 5.35 Uhr heute morgen das russische Poisk-Modul. Bislang lagen zwei Tage zwischen Launch und Ankunft an der ISS.
Ergebnisse des Vorgänger-Experiments "SkinCare" überprüfen
Das Experiment SKIN B soll ab Juni im europäischen Raumlabor Columbus auf der ISS zum Einsatz kommen und den Einfluss des Weltraums auf den Zustand der Haut genauer untersuchen. Neben anderen soll der italienische ESA-Astronaut Luca Parmitano, der im Mai mit der Expedition 36 zur ISS fliegt, mit SKIN B arbeiten. Denn trockene oder schuppige Haut und Juckreiz belasten - nach Kopfschmerzen und Gleichgewichtsstörungen - die Astronauten im Weltraum besonders: "Studien der amerikanischen Weltraumbehörde NASA zeigen, dass Hautprobleme vorne auf der Rangliste gesundheitlicher Probleme im All stehen. Dazu zählen auch Verzögerungen bei der Wundheilung und allergische Reaktionen auf Materialien. Allerdings wurden diese Veränderungen bislang noch nicht systematisch untersucht", berichtet Katrin Stang, SKIN B-Projektleiterin im DLR Raumfahrtmanagement.
Das Experiment schließt an "SkinCare" an, das der deutsche Astronaut Thomas Reiter bei seiner Astrolab-Mission 2006 auf der Raumstation durchgeführt hat. "Es zielt darauf ab, die 2006 gemessenen Veränderungen zu bestätigen und mit mindestens drei, maximal fünf Probanden zu überprüfen", erklärt Katrin Stang. Prof. Ulrike Heinrich von der Universität Witten-Herdecke leitet das wissenschaftliche Experiment. Sie ergänzt: "Die Haut wird dabei nicht alleine im Mittelpunkt stehen, sondern auch stellvertretend für alle mit Epithel- und Bindegewebe ausgekleideten Organe betrachtet. Denn Hautveränderungen können auch frühzeitig auf andere, systemische Krankheiten hinweisen."
Feuchtegehalt, Wasserverlust und Elastizität der Haut dokumentieren
Bei SKIN B wird die Haut auf der Innenseite des Unterarms der Astronauten bis zu acht Mal während des ISS-Aufenthaltes und zusätzlich vor und nach dem Flug ins All untersucht. "Mit speziellen Instrumenten prüfen wir den Feuchtegehalt und den Wasserverlust der Haut. Eine kleine Kamera dokumentiert die Veränderungen der Hautoberfläche", fasst DLR-Projektleiterin Stang zusammen. Zusätzlich messen die Wissenschaftler der Uni Witten-Herdecke vor und nach dem Flug die kapillare Hautdurchblutung, die so genannte Mikrozirkulation, sowie die Tiefenstruktur der Haut und ihre Elastizität.
Die Ergebnisse aus dem Pilotexperiment SkinCare haben gezeigt, dass sich die Haut der Astronauten während eines sechsmonatigen Aufenthalts auf der ISS ähnlich verändert wie während des Alterungsprozesses bei Menschen auf der Erde. Die Oberflächenstruktur, die so genannte Hautfelderung, wird gröber, die Elastizität nimmt ab und verschiedene Hautschichten - Hornschicht, Oberhaut und Lederhaut - altern ebenfalls. Diese Veränderungen scheinen jedoch reversibel zu sein, denn nach einem Jahr hatte sich der Zustand der Haut wieder normalisiert.
Wirkung von Anti-Aging-Wirkstoffen im Zeitraffer
Die Wissenschaftler hoffen auch, mit SKIN B Rückschlüsse auf die Veränderungen von Blutgefäßen und somit über die physische Belastung der inneren und äußeren Organe in der Schwerelosigkeit zu ziehen. "Sollten sich die SkinCare-Ergebnisse bestätigen, könnte an Bord der Raumstation der Alterungsprozess der Haut studiert und die Wirkung von ‚Anti-Aging‘-Wirkstoffen gewissermaßen im Zeitraffer getestet werden", erklärt Katrin Stang. Die Instrumente für SKIN B wurden von der Kayser-Threde GmbH im Auftrag des DLR Raumfahrtmanagements umgebaut und für den Weltraumeinsatz qualifiziert. Die Europäische Weltraumorganisation ESA ist bei SKIN B für den Transport zur ISS, das Training der Astronauten und den operationellen Betrieb im Columbus-Modul verantwortlich.
Extreme Hitze und Kälte im Wechsel, elektromagnetische Strahlung und Schwerelosigkeit – die Umgebungsbedingungen im Weltraum sind rau. Dennoch müssen Bauteile von Satelliten, der Internationalen Raumstation ISS und anderen Systemen diesen Einflüssen standhalten und zuverlässig funktionieren. Im Rahmen des nationalen "On-Orbit-Verification" (OOV)-Programms testet das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) die Einsatzreife von Weltraumtechnologien direkt im All: Kernelement ist der Kleinsatellit TET-1 vom Hauptauftragnehmer Kayser-Threde GmbH aus München.
Der "Technologie-Erprobungs-Träger" TET ist seit Juli 2012, mit insgesamt elf Experimenten an Bord, im Einsatz. Die bereits jetzt vorliegenden Ergebnisse aus der aktuellen Mission und künftigen Möglichkeiten werden anlässlich der TET Customer Days vom 21. – 22. März 2013 in Oberpfaffenhofen vorgestelt. Die Veranstaltung wird von Kayser-Threde im Auftrag des DLR ausgerichtet und bietet dem Teilnehmerfeld aus Raumfahrtagenturen, Forschungseinrichtungen und Industrie Gelegenheit zum Erfahrungs- und Meinungsaustausch. Die Erkenntnisse fließen in die Planung künftiger Missionen ein.
"In den vergangenen sechs Monaten konnten alle elf Technologieexperimente entsprechend des Zeitplans aktiviert und bereits viele Betriebsszenarien durchfahren werden", zeigt sich TET-Projektleiter im DLR-Raumfahrtmanagement Michael Turk mit dem Status der Mission zufrieden. Während des einjährigen Nutzlastbetriebs werden die Experimente abwechselnd auf dem Kleinsatelliten eingeschaltet und getestet. Dies erfolgt durch das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum (GSOC) des DLR in Oberpfaffenhofen. Die Technologieexperimente selbst wurden von Forschungseinrichtungen sowie der Industrie entwickelt und gebaut.
Experimente & Ergebnisse
So ist unter anderem der Raumflugbetrieb des DLR mit dem "Navigation and Occultation Experiment" (NOX) an der Mission beteiligt. Ziel ist die Demonstration präziser Positions- und Bahnbestimmung eines erdnahen Satelliten mittels eines kommerziellen GPS-Empfängers. Dieser bietet eine einfache und kostengünstige Lösung, ist bisher jedoch nur für Anwendungen auf der Erde konzipiert. In einem zweiten Schritt soll auch die Tauglichkeit des Zwei-Frequenz-Empfängers als Sensor für die wissenschaftliche Sondierung der Erdatmosphäre erprobt werden. Die Auswertung der bisherigen Daten zeigt, dass der verwendete Empfänger gute Positions- und Geschwindigkeitslösung liefert und eine Bahnbestimmung im Subdezimeterbereich ermöglicht. Negative Einflüsse der Weltraumbedingungen auf die verwendete Hardware konnten bisher nicht festgestellt werden.
Die ASP-Equipment GmbH steuert im Rahmen der TET-1 Mission das Experiment einer kommerziellen wiederaufladbaren Batterie bei, die mit hauseigener Prozesstechnologie raumfahrttauglich gemacht wurde. Ausgerüstet wurde die Batterie mit einem speziellen Batteriemanagementsystem und bietet so insgesamt einen kostengünstigen Ansatz. Die Messdaten belegen, dass die Batterie bisher keiner Degradation unterliegt – die Funktion der Batterie ist auch im Weltall vollständig gegeben. Für eine zukünftige TET Mission wird ASP ein weiteres Experiment vorschlagen: das Konzept des "Commercial Off The Shelf" (COTS) Converters. Mithilfe einer speziellen Verschaltung sollen europäische Transistoren künftig vergleichbare Wirkungsgrade wie sogenannte "MosFets" erzielen – amerikanische Feldeffekttransistoren die sehr leistungsstark sind, jedoch speziellen Exportkontrollbestimmungen unterliegen.
Ein weiteres Technologieexperiment ist der von Kayser-Threde entwickelte "Sensor-Bus" und zielt auf die Verringerung der Verkabelung an Bord eines Satelliten ab. So kann Masse und Komplexität reduzieren werden. Dieser Systemansatz ermöglicht mehr Flexibilität und eine vereinfachte Integration am Satelliten. Auf TET-1 wird der Sensor-Bus mit der ebenfalls eingesetzten, klassischen Verkabelung (NVS) verglichen. Die Datenauswertungen zeigen, dass der Sensor-Bus die klassische Sensor-Verkabelung ersetzen kann. Die Fortsetzung, der Hybrid Sensor-Bus (HSB), führt in die Erprobungsanwendung auf den SmallGEO Träger des geplanten deutschen Forschungssatelliten "Heinrich Hertz". Diese Technologie soll auch in die Weiterentwicklung des TET-Satellitenbusses einfließen.
TET-Zukunftspläne
Mit dem Konzept einer "TET-Familie" soll institutionellen und kommerziellen Kunden ein auf die jeweilige Anwendung zugeschnittener Satellit angeboten werden: für klassische OOV-Anwendungen, für die Erdbeobachtung sowie das frühzeitige Erkennen von Waldbränden. Gemeinsam mit Projektpartner Astro- und Feinwerktechnik Adlershof GmbH arbeitet Kayser-Threde daher an einer vom DLR beauftragten Voruntersuchung für eine nachfolgende Satellitenmission: TET-2.
Über das Projekt
Der TET-1 Satellit wird in Deutschland von einem Konsortium unter Führung der Kayser-Threde GmbH in Zusammenarbeit mit der Astro- und Feinwerktechnik Adlershof GmbH und DLR-Instituten gebaut. Die Projektleitung für das Gesamtvorhaben liegt beim DLR Raumfahrtmanagement. Unterstützt wird die Satellitenmission TET-1 durch die DLR Programmdirektion Raumfahrtforschung und Raumfahrttechnologie. Das Projekt wird finanziert aus Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie nach einem Beschluss des Bundestages.
Das Original des Kometenlanders "Philae" fliegt bereits seit dem 2. März 2004 durchs Weltall und wartet im Schlafmodus auf seine Ankunft am Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko. Die "Philae"-Modelle am Boden hingegen müssen zurzeit einiges aushalten: Sie werden im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) bis zur Belastungsgrenze getestet und geprüft. Die Wissenschaftler und Ingenieure wollen auf die erstmalige Landung auf einem Kometen im November 2014 bestens vorbereitet sein. In Bremen setzt ein originalgetreues Lander-Modell deshalb immer wieder auf dem Boden auf - mal in weichem Sand, mal auf hartem Boden, denn die Oberflächenbeschaffenheit des Kometen kennt noch niemand. In Köln wird eine "Philae"-Kopie mit Kommandos angefunkt und in Betrieb gesetzt. "Auf Probleme, die wir jetzt bei Landung und Betrieb mit den Modellen simulieren, sind wir bei der richtigen Landung dann gut vorbereitet", sagt Dr. Stephan Ulamec, DLR-Projektleiter für den Kometenlander, der an Bord der europäischen Raumsonde Rosetta unterwegs ist.
Es ist die Landung auf einem unbekannten Objekt: Über den genauen Landeplatz werden die Wissenschaftler und Ingenieure erst nach der Ankunft der Rosetta-Sonde mit Hilfe der ersten Kamerabilder entscheiden. Die exakte Anziehungskraft des Himmelskörpers, die Beschaffenheit des Bodens - all das kennen die Wissenschaftler nicht. "Der Komet könnte eine harte Eiskruste haben, es könnte aber auch lockerer, pulveriger Boden sein", betont Lars Witte, verantwortlich für die Tests mit einem der "Philae"-Modelle am DLR-Institut für Raumfahrtsysteme in Bremen.
Die Grenzen des Landers austesten
Immer wieder hat das dreibeinige Modell in Originalgröße am Roboterarm der "Landing and Mobility Test Facility" (LAMA) die Landung auf dem Boden überstehen müssen. Mal mit 1,10 Meter pro Sekunde, mal etwas langsamer. Mal im senkrechten Anflug, mal mit geneigtem Aufsetzen. Mal in drei mit Sand gefüllten Töpfen, mal auf einer robusten Platte. Selbst eine mit einem Ölfilm beschichtete Stahlplatte haben die Wissenschaftler eingesetzt, um zu testen, wie der Lander reagiert, wenn er nur geringe Bodenhaftung hat. Immer wieder haben sich während dieser Tests die Eisschrauben in den Füßen des Landers herausgedreht, die "Philae" Halt auf dem Kometen geben sollen. "Wir testen letztendlich auch die Grenzen des Landers aus", sagt Witte. Dessen filigrane Struktur sieht zerbrechlicher aus, als sie ist.
Bei der Landung fängt ein Dämpfer die Kräfte ab, die auf "Philae" wirken. Sobald der kühlschrankgroße Lander mit zehn Instrumenten an Bord aufsetzt, schießen zwei Harpunen in den Kometenboden und verankern "Philae" auf dem Kometen. Statt der 100 Kilogramm Gewicht auf der Erde wird der Lander auf dem Kometen nur ein Gewicht entsprechend einem Blatt Papier haben. Es ist auch sehr wahrscheinlich, dass der Komet in Sonnennähe bereits aktiv ist und sich der charakteristische Schweif aus Eis- und Staubpartikeln bildet. Keine leichte Aufgabe für das "Philae"-Team, den Lander sicher auf den Himmelskörper zu bringen. "Die Landung wird automatisch geschehen, denn ein Steuerungskommando von der Erde zum Lander würde aufgrund der großen Entfernung etwa eine halbe Stunde benötigen", betont DLR-Projektleiter Stephan Ulamec. Wenn die entscheidende Phase beginnt, müssen die Wissenschaftler darauf vertrauen, dass die Software an Bord perfekt funktioniert.
Gewappnet für Probleme und Pannen
Im Kölner Nutzerzentrum für Weltraumexperimente (MUSC) muss deshalb ein weiteres "Philae"-Modell zeigen, dass es auch mit Problemen und Pannen zurechtkommt. Kabel, Verbindungen und Bauteile entsprechen originalgetreu dem Innenleben von "Philae", der bereits seit zehn Jahren durch das Weltall fliegt. Allerdings: Nicht immer sind die Bauteile dort, wo sie am eigentlichen Lander sitzen. In einem Schubkasten liegen die Fußsohlen, neben der Außenhülle die Harpunen, die sich in den Boden bohren sollen. "Für uns ist wichtig, dass die Verbindungen der einzelnen Bauteile wie beim Original sind - der Aufbau ist für die Tests zweitrangig", erläutert Dr. Koen Geurts, technischer Projektleiter für "Philae". Wenn die Raumsonde Rosetta mit "Philae" an Bord am Kometen angelangt ist, wird der Betrieb des Landers von einem Team im Kontrollraum des MUSC gesteuert.
Über mehrere Computer steuern zwei Ingenieure das Landermodell an. "Wir können alles simulieren, was dem Flugmodell geschehen könnte", sagt Geurts. "Und auch Dinge, die wir eher nicht erleben wollen." Wie soll "Philae" reagieren, wenn einzelne Subsysteme während des Abstiegs durch einen Kurzschluss ausfallen? Was sind die ersten Abläufe nach einer erfolgreichen Landung? Die Ingenieure proben die Widrigkeiten, die die Software dann autonom - ohne Unterstützung vom Boden aus - lösen soll. Kurz vor der Ankunft am Ziel wird die endgültige Prozedur zu "Philae" ins All gesendet.
Einmal auf Komet 67P/Churyumov-Gerasimenko gelandet, beginnt dann unverzüglich die Arbeit für "Philae". Bis zu mehreren Monaten sollen die zehn Instrumente dann Daten für die Wissenschaftler liefern. Für drei Instrumente trägt das DLR die Hauptverantwortung: Die Kamera ROLIS wird bereits während der Landephase Aufnahmen von der Kometenoberfläche machen. Die Instrumente SESAME und MUPUS sollen den Kometenkern untersuchen, die Oberflächentemperatur messen und die Festigkeit des Kometen erforschen. "Die erste Landung überhaupt auf einem Kometen ist eine sehr schwierige Mission", sagt DLR-Projektleiter Stephan Ulamec. "Aber auch eine extrem spannende."
Die mikrobielle Verunreinigung durch Pilze, Keime und Sporen sind im Weltall eine große Gefahr für die Gesundheit der Astronauten. Auf der Internationalen Raumstation ISS oder auf Langzeitmissionen werden die winzigen Lebewesen zu einem großen, sicherheitsrelevanten Problem. Die Überwachung der Umgebung auf der ISS ist somit ein wichtiger Schritt und gleichzeitig eine große Herausforderung. Sie stellt hohe Ansprüche an die Messverfahren und ist technisch wie auch zeitlich sehr aufwendig. Das soll der Einsatz einer elektronischen Spürnase nun ändern. Ab dem 28. Februar 2013 nimmt die E-Nose nun die Spur der kleinen Organismen auf. Umgesetzt wurde das E-Nose-Projekt unter Leitung der Abteilung Produktsicherung des Raumfahrtmanagement im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).
"Mittlerweile sind diese Organismen auch für die Internationale Raumstation zu einem ernstzunehmenden Risiko geworden. Das Moskauer Institut für Biomedizinische Probleme konnte bisher bis zu 300 verschiedene Organismen über die recht umständliche russische Wischmethode auf der ISS bestimmen", sagt Projektleiter Joachim Lenic vom DLR-Raumfahrtmanagement. Mit der E-Nose lassen sich die Kulturen nun einfacher messen. Die Spürnase ermittelt elektronisch die mikrobielle Belastung auf der Raumstation über ein Gassensorsystem. Im Rahmen eines deutsch-russischen Experimentes spürt sie von jetzt an im russischen Segment der ISS Pilze und Bakterien auf.
Pilze und Bakterienkulturen als Gesundheitsproblem
Auf der Raumstation wachsen Pilze ungehindert hinter den Panels oder in unzugänglichen Ecken. Sichtbares Pilzwachstum gibt es unter anderem auf Kabelsträngen, auf Teilen der Klimaanlagen und an Systemen zur Wasserrückgewinnung. "Kritisch wird es, wenn die Organismen Dichtungen, Kunststoffe, Leiterplatten aber auch Glas angreifen. Die Biofilme bilden sich vorzugsweise an Orten mit kalten Materialoberflächen, an denen durch Kondensation ausreichend Wasser zur Verfügung stand. Dort können sich Wasserperlen in Luftballongröße bilden", betont Lenic. Darüber hinaus ist die Gesundheit der Crew durch Pilzsporen und Bakterienkulturen betroffen. Dabei werden die meisten Allergene über die Atemluft aufgenommen. "Hier sind Krankheitssymptome wie Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme, tränende Augen, Lethargie, Entzündungen der Schleimhäute von Nase, Mund und Hals, Hautjucken sowie Ekzeme die Folgeescheinungen", so Lenic.
Mit der E-Nose können nun Astronauten an verschiedenen Stellen im Servicemodul der ISS die mikrobielle Belastung messen. Zusätzlich wurde ein sogenanntes Target-Book auf der Raumstation installiert. Dort sind verschiedene Materialproben wie Aluminium, der polymere Kunststoff Nomex, Platinenmaterial und Kabelmarkierung aufgetragen. Auf diesen Materialien sollen biologische Kulturen siedeln, die dann in einem Rhythmus von zwei Monaten durch die ISS-Besatzung vermessen werden. Die Werte werden anschließend mit den Messergebnissen des klassischen russischen Messverfahrens – der sogenannten Wischprobe – verglichen.
Qualifikation für Raumstation und Langzeitmissionen
Zuvor wurde die E-Nose bereits unter Laborbedingungen und im russischen Isolationsexperiment Mars500 getestet. Nachdem sie dort ihre Einsatztauglichkeit auf der Erde bereits bewiesen hat, startete die elektronische Spürnase nach mehrjähriger intensiver Vorbereitung am 19. Dezember 2012 mit einer russischen Sojus-Rakete in Richtung Raumstation. Dort soll sie ihre Messverfahren für den dauerhaften Einsatz auf der Internationalen Raumstation sowie für den Einsatz im Rahmen von Langzeitmissionen qualifizieren: Von Ende Februar bis Juni 2013 spürt E-Nose in der Experimentphase dafür Mikroorganismen nach. Ist diese Phase abgeschlossen, werden die Messdaten von deutschen und russischen Experten gemeinsam ausgewertet. "Die E-Nose leistet einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit der ISS und deren Crew", betont Lenic.
Vertiefung der strategischen Partnerschaft mit Japan
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) eröffnet am 27. Februar 2013 sein neues Büro in Tokio. Das DLR verfolgt hiermit das Ziel, eine strategische Partnerschaft mit Japan aufzubauen. Die Aufgaben des Büros liegen in der Etablierung, Pflege und Fortentwicklung von Forschungs- und Technologiekooperationen aus allen Bereichen des DLR. Weiterhin soll die Arbeit des DLR in Japan und anderen Partnerstaaten der Region wie China, Südkorea oder Indonesien vor Ort vertreten und ausgebaut werden.
"Deutschland und Japan sind Hightech-Nationen auf sehr hohem ingenieurstechnischen und wissenschaftlichen Niveau", sagt Prof. Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsvorsitzender des DLR, anlässlich der Eröffnung des neuen Büros. "Bereits heute verbinden rund 40 Forschungsprojekte das DLR mit Japan. Damit ist Japan neben den USA das wichtigste Partnerland für das DLR. Mit unserer Vertretung in Tokio wollen wir eine strategische Partnerschaft mit Japan aufbauen und unsere Kooperationen in Ost-Asien intensivieren. Dabei soll nicht nur die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern vertieft, sondern auch das kulturelle Verständnis füreinander geschärft werden", so Wörner weiter.
Das neue Büro wird die Interessen des DLR gegenüber politischen, wissenschaftlichen und industriellen Institutionen in Japan sowie anderen Partnerstaaten der Region wahrnehmen. Es betreut die Kooperationsprojekte vor Ort und analysiert Entwicklungen in Politik, Forschung und Technologie in Ost-Asien. "Deutschland und Japan verbinden viele Zukunftsthemen. Dazu gehören nachhaltige neue Energien, die ökologische und ökonomische Fortentwicklung des Verkehrs sowie innovative Anwendungen der Luft- und Raumfahrt. So ist ein intensiver Personalaustausch zwischen den Forschungs- und Entwicklungsteams besonders wichtig", sagt Dr. Niklas Reinke, der die Leitung des neuen Büros übernehmen wird.
MASCOT - Beispiel erfolgreicher Zusammenarbeit
Japan ist nach den USA der wichtigste außereuropäische Kooperationspartner für das DLR. In 25 Kooperationsabkommen arbeitet das DLR mit der japanischen Raumfahrtagentur JAXA derzeit zusammen. Dazu gehört in der Raumfahrt die Asteroidenmission Hayabusa 2. Das DLR entwickelt dafür den Asteroidenlander MASCOT, der 2014 an Bord einer japanischen Raumsonde zum Asteroiden 1999 JU3 fliegen und dort Messungen auf der Oberfläche durchführen wird. Ebenso bestehen bereits Forschungs- und Entwicklungskooperationen in der Erdbeobachtung, etwa bei der Satellitenmission GOSAT. Gemeinsame Projekte wie die Forschung unter Weltraumbedingungen, das Katastrophenmanagement, Antriebe mit verflüssigtem Erdgas und optische Laserkommunikation werden fortgeführt und ausgeweitet.
In der Luftfahrt finden seit etwa zehn Jahren regelmäßige Kooperationsgespräche zwischen der JAXA und dem DLR statt. Schwerpunkte sind dabei die numerische Strömungsmechanik (CFD), Globale Navigationssatellitensysteme (GNSS), Wirbelschleppen, Scramjet-Technologien sowie Verbrennungsprozesse. Darüber hinaus bestehen langjährige Kooperationen mit der Universität Tohoku in den Bereichen Temperature Sensitive Paint (TSP) und Pressure Sensitive Paint (PSP), Verfahren zur Messung von Temperatur und Luftdruck während des Fluges mit Hilfe von empfindlichen Farbbeschichtungen.
Kompetenzen in der Batterie- und Verkehrsforschung sind in Japan besonders ausgeprägt. Hier bestehen Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit den DLR-Forschungsbereichen Energie und Verkehr.
Sowohl JAXA, die Universität Tohoku als weltweit größter universitärer Partner des DLR außerhalb Deutschlands und sieben weitere japanische Universitäten und Forschungseinrichtungen sind an einem Ausbau ihrer Beziehungen zum DLR sehr interessiert. Die neue strategische Partnerschaft wird dazu beitragen, die gegenseitigen Forschungsinteressen effektiv zu vernetzen und die Testanlagen in beiden Ländern effizient zu nutzen. So entsteht aus internationaler Zusammenarbeit mehr Wissen für Morgen.
Das DLR-Büro Tokio wird in der Deutschen Industrie- und Handelskammer Japan angesiedelt sein, neben dem Deutschen Wissenschafts- und Innovationshaus. Mit seinen Büros in Brüssel, Paris und Washington D.C. betreibt das DLR vier Vertretungen im Ausland.
Von außen sieht es aus wie eine glänzend polierte Tonne, im Inneren enthält es hingegen jede Menge Möglichkeiten für wissenschaftliches Arbeiten in der Schwerelosigkeit - das europäische Forschungsmodul Columbus fliegt seit fünf Jahren an der Internationalen Raumstation ISS durch das Weltall. Betrieben und überwacht wird es aus dem Columbus-Kontrollzentrum im Deutschen Raumfahrt-Kontrollzentrum des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Am 7. Februar 2008 saßen die Flugdirektoren dort besonders gespannt an ihren Konsolen: Um 20.45 Uhr mitteleuropäischer Zeit startete das Space Shuttle Atlantis vom amerikanischen Kennedy Space Center mit dem Forschungsmodul an Bord zur Raumstation. "Der Erwartungsdruck war enorm hoch", erinnert sich Gerd Söllner, leitender Flugdirektor der Columbus-Mission 1E.
Doch zunächst wurde die Geduld aller Beteiligten auf eine Probe gestellt: Der geplante Start am 6. Dezember 2007 wurde abgebrochen, weil nicht alle Treibstoffsensoren des Shuttles funktionierten. Die Astronauten reisten wieder ab und kehrten zu Training und Familien zurück. Am 7. Februar 2008 waren dann alle technischen Probleme behoben, und das Forschungsmodul startete zu seinem Bestimmungsort etwa 400 Kilometer über der Erde. "Wir saßen natürlich alle schon während des Starts an unseren Konsolen", sagt Flight Director Gerd Söllner. "Knapp zwei Stunden nach dem Start erhielten wir dann schon die ersten Telemetriedaten der Experimente, die an der Außenseite des Forschungsmoduls installiert werden sollten." Diese mussten auch schon während des Flugs zur Raumstation minimal beheizt werden, damit die empfindlichen Instrumente den Transport überstanden. Columbus schlummerte da noch unbeteiligt in der Ladebucht des Shuttles.
Verschollene Kommandos aus dem Kontrollraum
Zwei Tage später - am 9. Februar - wurde Columbus mit einem Roboterarm aus dem Shuttle gehoben und an der Raumstation angekoppelt. Das europäische Forschungsmodul war bereit für die Inbetriebnahme. Wie beim Einzug in ein neues Haus schalteten die Ingenieure des DLR nach und nach die wichtigsten Funktionen ein: Strom und Heizung funktionierten. "Alles, was für die Minimalversorgung wichtig war, war da - aber alle weiteren Kommandos kamen nicht am Forschungsmodul an." Im Columbus-Kontrollzentrum und in Houston startete die fieberhafte Suche nach dem Fehler. Bereits seit 2001 hatten die Ingenieure am Ablauf der Mission gefeilt, minutiöse Pläne aufgestellt und für mögliche Fehler konkrete Abläufe vorgesehen. Schließlich war die Ursache gefunden: Ein Hauptcomputer der NASA auf der ISS leitete die Kommandos aus Oberpfaffenhofen nicht an Columbus weiter. "Dieser Fehler war einfach nicht vorhersehbar", sagt Gerd Söllner. "Damit war unser lange vorher festgelegter Ablaufplan erst einmal zerschossen."
Anderthalb Tage brachte das die sorgfältig erstellte Timeline in Rückstand. Während eine Mannschaft im Kontrollraum an der Konsole die aktuellen Arbeiten durchführte, grübelte einen Raum weiter das "Anomaly Resolution Team" über der optimalen Umplanung. "Dafür ist ein Kontrollzentrum nun mal da." Die Crew im Weltraum mit dem deutschen Astronauten Hans Schlegel wurde erst einmal mit dem Einbau der Hardware beschäftigt, installierte die Experimentierracks, löste Sicherheitsschrauben. Insgesamt 13 Tage arbeitete das Columbus-Team im Kontrollraum rund um die Uhr in Vollbesetzung, um das Forschungsmodul und seine Experimentanlagen in Betrieb zu nehmen.
Von der Strahlenbiologie bis zur Materialphysik
Seit fünf Jahren laufen mittlerweile Experimente aus den verschiedensten Bereichen in der glänzend polierten "Tonne" mit dem technischen Innenleben. Gravitationsbiologie, Strahlen- und Astrobiologie, Humanphysiologie oder auch Materialphysik gehören zu den Forschungsgebieten: Wie funktioniert der Knochen- und Muskelabbau des Menschen? Wie verhalten sich Pflanzen in der Schwerelosigkeit? Welche Eigenschaften haben Kristalle? Wie verhält sich die Strömung im Erdinneren? Gesteuert werden die Experimente aus verschiedenen Kontrollzentren in Europa - wie zum Beispiel dem MUSC, dem Nutzerzentrum für Weltraumexperimente am DLR Köln. Von dort aus führen die Wissenschaftler ihre Experimente im Biolab an Bord des Forschungsmoduls Columbus durch. Das Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen wartet das Modul und ermöglicht den Experimentbetrieb. "Wir haben unseren Kontrollraum auch heute noch rund um die Uhr besetzt", erläutert Gerd Söllner. "Zwar mit kleinerer Mannschaft, aber dennoch 24 Stunden und sieben Tage in der Woche."
Mit dem Wissen für morgen gestaltet das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt schon heute die Zukunft unserer Gesellschaft. Mit seiner Forschung ist das DLR ein weltweit anerkannter Partner. 2013 wird das DLR seine internationale Vernetzung weiter ausbauen mit neuen Kooperationen zu Forschungseinrichtungen und Universitäten. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist auch die Übernahme der Vorsitzes des ESA-Rates und die Leitung der "International Charter Space and Major Desasters" im aktuell laufenden Jahr.
"Die wachsenden Anforderungen an die Forschung durch die Gesellschaft müssen einher gehen mit Selbstbestimmung und Verantwortung für die Wissenschaft. Das bedeutet, mehr DLR wagen, neue Denkansätze wählen, Aufgaben und Technologien überdenken", fordert Prof. Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsvorsitzender des DLR. "Es bedarf der Definition strategischer Ziele und nicht der Vorgabe operativer Aufgaben und Maßnahmen", betont Wörner.
Die folgenden Forschungsvorhaben des DLR stellen nur einen kleinen Ausschnitt der für das Jahr 2013 geplanten Missionen dar.
LUFTFAHRT
Effizient, umweltfreundlich und nachhaltig wollen wir uns fortbewegen - Forderungen an die moderne Mobilität. Mit einer auf dem europäischen Strategiepapier "Flightpath 2050" und der zukünftigen Luftfahrtstrategie der Bundesregierung basierenden Luftfahrtforschung wird das DLR die Zukunft des Luftverkehrs mitgestalten.
Fliegen trotz Vulkanasche - DLR entwickelt satellitengestütztes Vorhersageverfahren
Mit dem Ausbruch des isländischen Vulkans Eyafiallajökull legte sich im Frühjahr 2010 eine Aschewolke über Europa. Damit sich zukünftig solch ein Vulkanausbruch weniger dramatisch auf den Luftverkehr auswirkt, startet das DLR 2013 sein Projekt VOLCATS (VOLCanic Ash impact on the air Transport System). Sie entwickeln dazu bis 2016 ein satellitengestütztes Verfahren, das kurzfristig die Ascheverteilung in der Luft bestimmt und stark sowie schwach aschebelastete Bereiche verlässlich nachweist. VOLCATS soll den Grundstein für ein flexibles Luftverkehrsmanagement legen, bei dem im Krisenfall eines Vulkanausbruchs zeitweise aschefreie und damit sichere Bereiche für den Flugverkehr freigegeben werden können. Ergänzend entwerfen die Forscher ein Asche-Warnsystem für Linienmaschinen, das den unvorhergesehenen Einflug in eine Aschewolke meldet.
HINVA: Maximalauftriebsversuche mit dem DLR-ATRA
In der Landestellung sind Vorflügel und Landeklappen voll ausgefahren. Ein Flugzeug erhält dabei den größtmöglichen Auftrieb. Um diese Phase eines Fluges besser zu verstehen, sind bei Airbus in Toulouse 2012 mit dem A320-200 ATRA des DLR erfolgreich Flugversuche im Langsamflugbereich durchgeführt worden. Die Versuchsflüge werden in einer zweiten Kampagne fortgesetzt. DLR, Airbus und die TU-Berlin organisieren die Flüge in einer engen Kooperation. Ergänzend sammeln die Forscher Daten bei speziell abgestimmten Windkanalversuchen im Europäischen Transsonischen Windkanal (ETW) und führen umfangreiche numerische Strömungssimulationen durch. Die Wissenschaftler wollen den Maximalauftrieb von Verkehrsflugzeugen genauer vorhersagen: Zukünftige Flugzeugkonfigurationen und Hochauftriebshilfen sollen weiter aerodynamisch verbessert werden. Bisherige Daten stammen noch aus Versuchskampagnen der 1980er und 1990er Jahre. Die Aktivitäten des HINVA-Projektes bündeln erstmalig die drei Methoden der Hochauftriebsforschung: Flugversuche, Windkanalversuche und Simulationsrechnungen.
Forschung für die Turbinen der nächsten Generation
Zur Erforschung und Entwicklung innovativer Triebwerkstechniken bedarf es erstklassiger Hochleistungsprüfstände: Die Luftfahrtindustrie hat einen dringenden Bedarf an geeigneten Versuchseinrichtungen. Am Standort Göttingen baut das DLR derzeit einen Prüfstand für die Triebwerke der nächsten Generation: NG-Turb (Next Generation Turbine). An der weltweit einzigartigen Anlage werden Wissenschaftler unter anderem neuentwickelte Turbinenschaufeln, Kühlsysteme und Werkstoffe untersuchen. Gemeinsam mit der Industrie analysierte das DLR zukünftige Schwerpunkte in der Turbinenforschung für eine kundengerechte Auslegung der Anlage.
RAUMFAHRT
Auch im Jahr 2013 werden internationale Kooperationen die deutsche Raumfahrtforschung bestimmen. Flüge mit indischen und russischen Trägerraketen, sowie eine japanisch-deutsche Asteroidenmission sind geplant.
AISat: Mit der „Fliegenden Antenne“ weltweit Schiffe beobachten
Vier Meter lang ist die entfaltbare Helix-Antenne, mit der der Kleinsatellit AISat ab Sommer 2013 weltweit dem Schiffsverkehr auf die Spur kommt. Die empfindliche Antenne empfängt die Signale des Automatischen Identifikationssystems der Schiffe - diese Funkdaten, die jedes Schiff seit dem Jahr 2000 sendet, enthalten unter anderem Informationen über Namen, Position, Größe und Geschwindigkeit des Schiffes. Während die bisherigen terrestrischen Empfangssysteme auf Grund begrenzter Reichweite nach kurzer Zeit den Kontakt zu den Schiffen verlieren und kommerzielle Satelliten bisher bei dichtem Schiffsverkehr kaum eine zuverlässige Ortung durchführen können, soll AISat hingegen vor allem in stark befahrenen Regionen - zum Beispiel der Nordsee und dem Mittelmeer - den Schiffsverkehr verfolgen. Durch die genaue Beobachtung mit dem Satelliten des DLR-Instituts für Raumfahrtsysteme in Bremen können Schiffsrouten in Zukunft optimiert und Kollisionen verhindert werden. Der Start erfolgt vom indischen Shriharikota.
Mascot: Hüpfend über den Asteroiden
Für den Asteroidenlander Mascot beginnt der Endspurt: Anfang 2014 soll das Flugmodell an die japanische Raumfahrtagentur JAXA ausgeliefert werden, die Mascot dann mit der Sonde Hayabusa-2 zum Asteroiden 1999 JU 3 schickt. Die zehn Kilogramm schwere Landekapsel wird aus 100 Metern Höhe aus der Sonde katapultiert, auf dem Asteroiden landen und sich aufrichten. Hüpfend bewegt sie sich dort fort, um mit vier Instrumenten Messungen direkt auf der Oberfläche vorzunehmen. Dafür steuert das DLR eine Kamera und ein Radiometer bei. Die Struktur wurde im DLR-Institut für Faserverbundleichtbau und Adaptronik in Braunschweig entwickelt, in Oberpfaffenhofen verlieh das Institut für Robotik und Mechatronik dem Lander seine Mobilität zum Hüpfen und Aufrichten. In diesem Jahr stehen nun die letzten Tests beim DLR in Bremen an, bevor das Landegerät auf seine Reise geschickt wird.
SoziRob: Stress abbauen mit Roboter
Bei langen Missionen im Weltraum ist Training überlebensnotwendig. Körperliche Betätigung kann helfen, Stress abzubauen, den Geist anzuregen und schlechte Stimmung zu vermeiden. Die Trainingssituation im All birgt aber auch Schwierigkeiten. Hier setzt das Projekt SoziRob an: Als soziale Interaktionspartner dienen Roboter, genauer, der Roboterkopf "Flobi" und der humanoide Roboter "Nao". Der Roboter regt zum Sport an, begleitet und kommentiert. Wie reagieren die Menschen in dieser Situation auf unterschiedliche robotische Systeme, auch im Vergleich zu virtuellen Agenten oder mobilen Geräten? Das aus Mitteln des BMWi geförderte Projekt SoziRob soll antworten auf diese Fragen finden.
OMEGAHAB - Labor im Weltraum
Mit biologischen und zoologischen Experiment der Universitäten Erlangen und Hohenheim an Bord, die aus Mitteln des BMWi finanziert werden, wird im April 2013 eine russische BION-M3-Rückkehrkapsel ins Weltall starten. Das 4-Liter-Aquarium OMEGAHAB verfügt über zwei Kammern, die mit einem Membranfilter verbunden sind, um den Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid zu ermöglichen. Neben Wasserpflanzen, die als Sauerstoffproduzenten eingesetzt werden, treten auch Schnecken, Wasserflöhe und Buntbarsche den Flug an, deren Verhalten unter Weltraumbedingungen untersucht werden soll.
ENERGIE
Die DLR-Energieforschung befasst sich mit innovativen Techniken zur Stromerzeugung, mit der Entwicklung von Energiespeichern und mit der Modellierung eines zukünftigen Energiesystems. Im Mittelpunkt stehen dabei neuartige Energiespeichersysteme und die Nutzung regenerativer Energieformen.
Energie auf engstem Raum gespeichert
Energiespeicher sind eine Schlüsselkomponente für eine nachhaltige Energiewirtschaft. DLR-Forscher entwickeln thermische und thermochemische Speicher, adiabatische Druckluftspeicher sowie Batterien der nächsten Generation. Im den Laboren des neuen Kompetenzzentrums CeraStorE (Competence Center for Ceramic Materials and Thermal Storage in Energy Research), das im Frühjahr 2013 eingeweiht wird, entwickeln DLR-Forscher unter anderem neuartige thermochemische Speicher, die in der Lage sind, große Mengen an Wärmeenergie in Form von chemischer Energie aufzunehmen. Aus dem Alltag ist eine solche Reaktion zum Beispiel beim Ablöschen von Kalk bekannt. Im CeraStorE entwickeln und testen Energie- und Werkstofforscher gemeinsam an neuen Materialen für den Energiesektor.
Sonnenkraftwerke: Know-how für Kraftwerke in Nordafrika
Sonnenkraftwerke konzentrieren direktes Sonnenlicht und liefern umweltfreundlichen Strom. Ein besonderer Vorteil dieser Kraftwerke: Sie können die Energie in Form von Wärme bei hohen Temperaturen kostengünstig speichern und damit Strom rund um die Uhr liefern. Die Kosten der Stromerzeugung dieser Technologie sollen dadurch weiter gesenkt werden. Auf dem Forschungsgelände Plataforma Solar de Almería in Spanien testen DLR-Forscher seit Anfang des Jahres eine neue Anlage, bei der Wasserdampf zum Antrieb einer Turbine direkt und damit effizienter erzeugt werden kann. In Algerien wird das DLR das dortige Forschungsministerium beim Bau eines Pilot- und Forschungskraftwerks beraten. Wichtige Teile der Technologie für das Pilot-Turmkraftwerk wurden maßgeblich vom DLR-Institut für Solarforschung entwickelt.
Leichter und größer: DLR forscht an Rotorblättern mit CFK-Anteilen
Mit den Kompetenzen aus der Luftfahrt arbeiten DLR-Wissenschaftler an effizienteren Windenergieanlagen. Dabei können sie ihre Erfahrungen in der automatisierten Produktion von Kohlefaserverstärkten Kunststoffen (CFK) im Flugzeugbau auf die Herstellung von Rotorblättern übertragen. Kohlefaserverstärkte Strukturen können Rotorblätter bis zu fünfmal fester und gleichzeitig leichter machen. Am Zentrum für Leichtbauproduktionstechnologie (ZLP) des DLR in Stade entwickeln die Wissenschaftler an einer neuen, 45 Meter großen, Rotorblatt-Flügelform mit dem Windanlagenhersteller NORDEX neue Bauweisen für Rotorblätter. Zudem kann anhand dieser Flügelform die Stabilität von unterschiedlichen CFK-Baumaterialen, wie zum Beispiel neuartigen Harzen, an großen Rotorblättern getestet werden.
VERKEHR
Die Verkehrsforschung ist ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit des DLR. Die Mobilität gehört zu unseren alltäglichen Bedürfnissen, sie generiert Beschäftigung sowie einen wesentlichen Anteil der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung. Verkehr hat aber auch eine Reihe negativer Folgen - Lärm und Abgase belasten Mensch und Umwelt. Diese zu mindern ist eine Aufgabe der Wissenschaftler des DLR.
Größere Reichweiten für Elektroautos durch den Freikolben-Lineargenerator
Am 19. Februar 2013 wird das Institut für Fahrzeugkonzepte in Stuttgart den Freikolben-Lineargenerator vorstellen. Der Freikolben-Lineargenerator ist ein grundsätzlich neuartiger Range Extender der in Elektrofahrzeugen zur Verlängerung von Reichweiten zum Einsatz kommen kann. Er arbeitet ähnlich wie ein herkömmlicher Verbrennungsmotor, wandelt jedoch die lineare Bewegung der Kolben nicht erst in eine Drehbewegung der Kurbelwelle um, sondern erzeugt direkt Strom. Im Freikolben-Lineargenerator können unterschiedliche Kraftstoffe mit jeweils hohem Wirkungsgrad und geringen Abgasemissionen eingesetzt werden. Die Forschern in Stuttgart sind die ersten, denen es gelang, einen solchen Energiewandler erfolgreich in Betrieb zu nehmen.
Lokführer rechtzeitig warnen - RCAS-System wird weiterentwickelt
Das Railway Collision Avoidance System (RCAS) warnt Lokführer frühzeitig gewarnt werden, wenn sich ihre Züge auf Kollisionskurs befinden. Die Forscher kombinieren dabei Daten des Satelliten-Navigationssystem GPS, eine digitale Karte des Gleissystems und weitere Daten von im Zug befindlichen Sensoren, um kontinuierlich die Position des Zuges auf der Strecke zu ermitteln. Diese Informationen können die mit RCAS ausgerüsteten Züge durch ein eigenständiges Funknetzwerk direkt untereinander austauschen. Insgesamt ist der Entwicklungsstand von RCAS ist soweit fortgeschritten, dass eine Vermarktung des Systems begonnen hat. Sie wird seit 2012 durch die Firma Intelligence on Wheels, eine Ausgründung aus dem DLR, übernommen.
Weniger Lärm durch intelligente Zugzusammenstellung
Anwohner an Bahnstrecken, vor allem an Güterbahnstrecken, sind durch den Schienenverkehrslärm hohen Belastungen ausgesetzt. DLR-Forscher messen sowohl entlang der Bahnstrecken als auch im Windkanal, an welchen Zügen und an welchen Zug-Komponenten der Schall entsteht, den die Anwohner als besonders störend empfinden. Dabei spielt nicht nur der Lärmpegel sondern auch seine Frequenz eine wichtige Rolle. Maßnahmen um Lärm zu vermeiden oder seine Ausbreitung einzuschränken können mit diesen Erkenntnissen ganz gezielt eingesetzt werden. So kann zum Beispiel durch eine intelligente Anordnung der Waggons die Lärmbelastung eines Zuges verringert werden. Die Identifikation leiser Waggons bietet zudem die Möglichkeit für den Einsatz in dichtbesiedelten Gebieten besonders leise Züge zusammenzustellen.
SICHERHEIT
Um den gesellschaftlichen Sicherheitsbedürfnissen gerecht zu werden, spielen neben Politik und Wirtschaft auch zunehmend Wissenschaft und Forschung eine entscheidende Rolle. Hochentwickelte Technologien, Systeme, Konzepte und Kompetenzen, die der Wissenschaft entstammen, sorgen bereits heute dafür, dass Konflikt- und Krisensituationen bewältigt werden können.
Laser spüren Gefahrstoffe auf
Sowohl die vorsätzliche, wie auch die unbeabsichtigte Freisetzung von chemischen, biologischen, radioaktiven, nuklearen und explosiven (CBRNE) Gefahrstoffen stellt eine Bedrohung für die zivile Sicherheit dar. Die boden- und luftgestützte Detektion sowie Identifikation dieser Gefahrstoffe ist lebensrettend, insbesondere dann, wenn das Gebiet schwer zugänglich oder ein Zugang nur mit großen Gefahren verbunden ist. Nach Naturkatastrophen, bei Störfällen in Industrieanlagen oder bei Verdachtsmomenten auf gezielte Anschläge auf größere Menschenansammlungen ermöglichen laserbasierte Verfahren eine zeitnahe, großflächige, diskrete und sichere Identifikation über große Distanzen. Eine Kernkompetenz des Instituts für Technische Physik des DLR liegt in der Entwicklung wellenlängenspezifischer Lasersysteme. Im Rahmen des DLR-Projektes LAIRDIM (Laser-based Airborne Detection, Identification, and Monitoring of biological and chemical hazardous substances) werden auf der Laserfreistrahlstrecke in Lampoldshausen unterschiedliche Verfahren unter realistischen Umgebungsbedingungen erprobt.
DLR analysiert Proben der japanischen Hayabusa-Mission
Mit dem bloßen Auge ist nichts zu erkennen und dennoch ist in dem kleinen durchsichtigen Behälter etwas bisher nicht Dagewesenes: Erstmals können Wissenschaftler Staub eines Asteroiden untersuchen, der von einer Raumsonde im Weltall eingesammelt und zur Erde zurückgebracht wurde. Dr. Ute Böttger vom Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) gehört zu einem von elf Teams weltweit, die mit den außerirdischen Asteroidenteilchen der japanischen Hayabusa-Mission wissenschaftlich arbeiten dürfen.
Die weniger als ein Zehntel Millimeter kleinen Teilchen, die Dr. Ute Böttger und Dr. Sergey Pavlov mit dem Raman-Mikroskop untersuchen, liegen eingehüllt in Stickstoff, damit die irdischen Einflüsse das Material vom Asteroiden Itokawa nicht verunreinigen. "Das sind die wirklichen Außerirdischen", sagt Physikerin Böttger. Gemeinsam mit Dr. Iris Weber von der Universität Münster analysieren sie die mineralogische Zusammensetzung der Teilchen. "Neben dem Mondgestein der Apollo- und Luna-Missionen sind diese Proben das einzige Material, das direkt von einem Körper im Sonnensystem eingesammelt und zur Erde gebracht wurde", erläutert Böttger. "Und wir haben erstmals Asteroidenmaterial, dessen Herkunft wir ganz genau kennen und das nicht durch den Eintritt in die Atmosphäre verändert wurde." Während bei Meteoritenfunden auf der Erde niemand mit Sicherheit sagen kann, von welchem Himmelskörper sie stammen, ist bei den winzigen Teilchen der Hayabusa-Mission die Herkunft sicher: Sie stammen vom Asteroiden Itokawa, auf dem die japanische Raumsonde 2005 die Probe entnahm.
Mission mit Hindernissen
Dass das einmalige Asteroidenmaterial überhaupt den Weg bis ins Berliner DLR-Labor schaffte, ist schon eine große Leistung. Die gesamte Hayabusa-Mission stand zunächst nämlich nicht unter einem guten Stern. So erreichte die Sonde den länglichen, ein wenig bananenförmigen und nur etwa 500 Meter langen Asteroiden erst einmal mit etwas Verspätung. Über dem Asteroiden schwebend, sollte die Sonde dann über eine Art Trichter die Bodenproben einsammeln, die zuvor mit einem kleinen Einschuss auf der Asteroidenoberfläche aufgewirbelt worden waren. Bei der ersten Probenentnahme im Weltall reagierte die Sonde nicht wie geplant, erst die zweite Annäherung an Itokawa ist erfolgreich. Mit drei Jahren Verspätung - Drallräder fielen aus, nur noch einige Batterien an Bord arbeiteten - gelangte Hayabusa, japanisch für "Wanderfalke", wieder zur Erde. Am 13. Juni 2010 landete die Rückkehrkapsel allerdings wie geplant an einem Fallschirm nahe der australischen Stadt Woomera und wurde von dort geborgen. Ob tatsächlich zum ersten Mal Proben eines Asteroiden zur Erde gelangt waren, erfuhren die Wissenschaftler erst nach der Öffnung des versiegelten Probenbehälters. Erste Untersuchungen der winzigen Teilchen zeigten dann, dass die Sonde Hayabusa von ihrem Besuch bei Itokawa tatsächlich Material mitgebracht hatte.
Außerirdisches im Labor
Im Labor des DLR-Instituts für Planetenforschung stellten die Wissenschaftler nun die Zusammensetzung des Asteroidenmaterials fest. "Der Vorteil unseres Raman-Mikroskops ist, dass wir die Untersuchung durchführen können, ohne das Material zu beschädigen und ohne dass die Teilchen mit der Erdatmosphäre in Berührung kommen", betont der Leiter des Labors, Prof. Heinz-Wilhelm Hübers. Die gemessenen Raman-Spektren vergleichen die Planetenforscher mit Spektren verschiedener Materialien. "Die Proben bestehen vor allem aus Olivin, einem auch für irdische Tiefengesteine typischen Eisen-Magnesium-Silikat", sagt Mineralogin Dr. Iris Weber von der Universität Münster. "Nicht ungewöhnlich, aber zum ersten Mal haben wir das direkt an völlig unberührtem extraterrestrischem Material untersuchen können."
Nun gehen die im DLR untersuchten Asteroidenteilchen für weitere Analysen an die Team-Partner der Lund University und der University of Manchester . Da Itokawa ein ursprünglicher und somit bis zu viereinhalb Milliarden Jahre alter Asteroid ist, können die Ergebnisse der Wissenschaftler Informationen über die Entstehung des Sonnensystems liefern. "Alle Theorien wurden bisher von Meteoriten abgeleitet, jetzt arbeiten wir mit dem Originalmaterial - und bekommen dadurch vielleicht Einblick in das große Ganze", sagt Mineralogin Dr. Iris Weber.
Lander, Kamera und Radiometer für Hayabusa-2
2014 soll die nächste Hayabusa-Mission ins All starten. Ziel ist dann Asteroid 1999 JU 3 - "ein Asteroid, dessen Gestein eventuell einmal mit Wasser in Berührung gekommen ist", sagt DLR-Planetenforscher Prof. Ralf Jaumann. Zu der Mission der japanischen Raumfahrtagentur JAXA steuert das Bremer DLR-Institut für Raumfahrtsysteme den Asteroidenlander MASCOT (Mobile Asteroid Surface Scout) bei, einen hüpfenden Lander, der sich erstmals auf einem Asteroiden fortbewegen und somit an verschiedenen Stellen Messungen durchführen kann. Dabei sollen ein Radiometer des DLR die Temperatur des Asteroiden messen und eine DLR-Kamera die Feinstruktur der Oberfläche von 1999 JU 3 aufzeichnen. Gesteuert wird der Lander aus dem DLR-Kontrollraum des Nutzerzentrums für Weltraumexperimente (MUSC) in Köln. Währenddessen wird auch bei dieser Mission ein Saugrüssel wieder Material in einen Probenbehälter aufnehmen und für Laboruntersuchungen zur Erde zurückbringen.
Um Experimente ohne den störenden Einfluss der Erdgravitation durchzuführen, gibt es nur wenige Möglichkeiten. Eine davon startete am 25. November 2012 vom schwedischen Raketenstartplatz Esrange in Kiruna: Die Höhenforschungsrakete Mapheus-3 des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hatte vier Experimente an Bord, die während des Flugs dreieinhalb Minuten lang in der Schwerelosigkeit abliefen. Dabei wurden unter anderem auf der Rakete Metall-Proben in Öfen geschmolzen. Die erstarrten Proben wurden am 26. November 2012 mit dem Schneemobil geborgen.
"Wenn wir diese Versuche auf der Erde durchführen, wirken Auftriebskräfte auf die geschmolzenen Metalle ein", erläutert Prof. Andreas Meyer vom DLR-Institut für Materialphysik im Weltraum. "Mit Versuchen in der Schwerelosigkeit umgehen wir dies und können die physikalischen Prozesse ohne Störungen beobachten." Bereits vor dem Start der Rakete heizten deshalb kleine Öfen die aluminiumreichen Legierungen für das Diffusionsexperiment ATLAS auf. 80 Sekunden nach dem Abheben von Mapheus-3 vermischten sich die verschiedenen, verflüssigten Komponenten dann in der Schwerelosigkeit. "Über diesen Vorgang wissen wir bisher nur sehr wenig." Auch die Entmischung von Metallschmelzen war Thema der Mapheus-3-Kampagne. Mit dem Experiment DEMIX untersuchten die Wissenschaftler, wie sich Kupfer-Kobalt-Legierungen beim Aufschmelzen verhalten. "Mit den Ergebnissen des Mapheus-3-Flugs können wir die bisherigen Modelle zu diesem Prozess überprüfen und gegebenenfalls anpassen", sagt Meyer. "Die Entmischung wird auch in der Industrie angewandt - dort besteht ebenfalls Interesse, die bestehenden Modelle zu testen."
Grundlagenforschung mit der Videokamera
Für das Experiment MEGraMa filmten die Forscher des Instituts für Materialphysik im Weltraum das Stoßverhalten von Teilchen mit einem Durchmesser von weniger als einem Millimeter. Vier Magneten beschleunigten die kleinen Kugeln während des Flugs, eine Videokamera zeichnete währenddessen auf, wie die Kugeln diese Beschleunigungsenergie durch das Aufprallen gegeneinander wieder abgeben. "Damit untersuchen wir das Verhalten von granularen Gasen", betont Institutsleiter Meyer. "Dieser Vorgang ist bisher von der Wissenschaft nicht komplett verstanden."
Als Vorbereitung für die nächste Flugkampagne Mapheus-4 ließen die Forscher auch einen neu entwickelten Ofen mit in die Schwerelosigkeit fliegen. Gerade einmal 40 mal 40 mal 20 Millimeter klein soll er im nächsten Jahr sechs Proben während des Flugs aufschmelzen. "Je kleiner der Ofen, desto weniger Energie benötigen wir für das Aufheizen." Der Vorteil des neuen Ofens: Er ist für Röntgenstrahlung durchlässig und ermöglicht so die unmittelbare Untersuchung der Veränderung der Zusammensetzung im Inneren der flüssigen Metallproben.
Mit dem Schneemobil geborgen
Durchgeführt wurde der Start von Mitarbeitern der "Mobilen Raketenbasis" MORABA des DLR. "Wir sind gewissermaßen für das ‚Flugticket‘ von MAPHEUS verantwortlich. Dazu zählen neben dem eigentlichen Start die Bereitstellung der selbstentwickelten Raketensysteme, der Raketenmotoren und die Gesamtintegration der Rakete", erklärt DLR-Raketeningenieur Markus Pinzer. Die Schwerelosigkeit setzte 80 Sekunden nach dem Lift-Off in einer Höhe von 100 Kilometern ein, die Rakete erreichte insgesamt eine Flughöhe von 140 Kilometern. Nach der Rückkehr zur Erde an einem Fallschirm ortete das Team den Flugkörper mit den Experimenten an Bord und barg ihn einen Tag nach dem Start mit dem Schneemobil. "Der Flug war sowohl von der wissenschaftlichen als auch von der technischen Seite her sehr anspruchsvoll", betont Projektleiter Martin Siegl vom DLR-Institut für Raumfahrtsysteme. "Eine aufwendige Entwicklungsarbeit an den Experimenten, eine Vielzahl von Tests und eine intensive Vorbereitungsphase haben in wenigen Minuten Flugzeit ihren Höhepunkt gefunden." Nun erfolgt die Auswertung der gewonnenen Daten und die Analyse der wiedererstarrten Metallproben.
Vertragsunterzeichung zwischen DLR und OHB
In Deutschland wird nach über 25 Jahren erstmals wieder ein Telekommunikationssatellit gebaut: Hispasat Advanced Generation 1 (HAG1). Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat den Subauftrag mit der OHB System AG mit einem Auftragsvolumen von knapp drei Millionen Euro am 22. November unterschrieben.
"Der Vertragsabschluß ist ein Meilenstein für die Zusammenarbeit zwischen dem DLR und OHB auf dem Gebiet der Kommunikationssatelliten. Mit dieser zukunftsweisenden Mission können neue Technologien für den Einsatz im Weltraum erprobt werden." erklärt Professor Hansjörg Dittus, Raumfahrtvorstand des DLR. "Damit steht dem Projektbeginn nichts mehr im Weg."
Satellitensteuerung beim DLR in Oberpfaffenhofen
Das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum ist nach der Vertragsunterzeichnung für die Durchführung der Launch and Eary Orbit Phase - also der kritischen Phase nach dem Start - verantwortlich. Diese Phase beginnt mit dem Start des Satelliten und endet mit der Positionierung des Satelliten im geostationären Orbit. Darauf folgt der Payload In-Orbit Test bei dem alle Nutzlastkomponenten, die sogenannte Payload, auf Funktionsfähigkeit geprüft werden. Hierzu wird die im Juni 2012 eingeweihte Ka-Band-Antenne beim DLR Weilheim verwendet. Diese neue Empfangsanlage arbeitet im kurzwelligen Ka-Frequenzband und dient zu Forschungszwecken. Sie soll vor allem testen, wie gut ein neuer Satellit im All funktioniert. Die Vorbereitung auf diese Aufgaben beginnen zwei Jahre vor Start von HAG1, der Ende 2014 geplant ist. Nach Vertragsunterzeichnung findet der Kick-Off für den Aufbau und den Betrieb des Bodensegments statt.
Entwickelt in Deutschland, gebaut in Europa
Im Rahmen des Programms SmallGEO entwickelt die europäische Weltraumagentur ESA eine neue Plattform für kleine geostationäre Satelliten. Die dafür notwendige Technologie wurde in Deutschland entwickelt und vom DLR gefördert. In einem Auswahlverfahren hat sich die ESA für den Vorschlag des spanischen Satellitenbetreibers Hispasat entschieden. Auf Basis von SmallGEO soll der Kommunikationssatellit Hispasat Advanced Generation 1 (HAG1) gebaut und in einen geostationären Erdorbit gebracht werden - die erste SmallGEO-Mission beginnt. Er wird die Iberische Halbinsel, die Kanarischen Inseln und Südamerika mit TV-Programmen versorgen. Die Firma Tesat Spacecom ist für die Nutzlast und OHB System ist als Systemführer für die Satellitenstruktur und den Gesamtsatelliten zuständig. Hispasat wird den HAG1-Satelliten in seine bereits bestehende Flotte an geostationären Kommunikationssatelliten eingliedern.
Warum SmallGEO?
Auf dem Markt der Telekommunikationssatelliten ist eine steigende Nachfrage nach kleineren, kosteneffizienten Satelliten zu erkennen, die optimal auf die Bedürfnisse des Kunden und der Mission angepasst werden können. Die neue Plattform für kleine geostationäre Satelliten "SmallGEO" ist eine Satellitenplattform für Nutzlasten bis zu einer Masse von 300 Kilogramm und drei Kilowatt Leistungsaufnahme. Die Einsatzgebiete für SmallGEO sind vielfältig: Kommerzielle Satellitenkommunikation wie Sprache und Daten, Fernsehen und Rundfunk, HDTV Internet Satellitenkommunikation für öffentliche Aufgaben Katastrophenschutz und Sicherheit.
Weitere aktuelle Programme auf der Basis von SmallGEO-Missionen sind: European Data Relay Satellite (EDRS-C) für Astrium Services und die ESA, Meteosat Third Generation für EUMETSAT und die ESA und der Heinrich Hertz-Satellit für das DLR.
Am 20. und 21. November 2012 tagten Delegierte der 20 Mitgliedsstaaten der Europäischen Weltraumorganisation ESA sowie Delegierte aus Kanada im Kongresszentrum "Mostra d'Oltremare" im italienischen Neapel. Der Beginn der ESA-Präsidentschaft der Schweiz und Luxemburgs war gekennzeichnet durch eine intensive und erfolgsorientierte Verhandlungsführung. Nach zwei Tagen intensiver Diskussionen wurde die Ministerratskonferenz erfolgreich abgeschlossen: Die deutschen Positionen zur Zukunft der europäischen Träger-Rakete Ariane und der Internationalen Raumstation ISS bis 2020 konnten umgesetzt werden. Basis dafür waren auch die gemeinsamen deutsch-französischen Gespräche. Die Delegationen stellten die finanziellen und inhaltlichen Weichen für die europäischen Raumfahrt-Programme in den kommenden Jahren.
Insgesamt wurden Raumfahrtprogramme im Wert von rund 10 Milliarden Euro beschlossen. Die Bundesregierung zeichnete für die nächsten Jahre insgesamt rund 2,6 Milliarden Euro. Damit ist Deutschland der beitragsstärkste ESA-Partner und hält auch die meisten Programm-Anteile.
Nach Abschluss der Konferenz am 21. November betonte Prof. Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und Mitglied der deutschen Delegation: "Die europäische Weltraumorganisation ESA hat erneut bewiesen, dass sie auch unter konjunkturell schwierigen Rahmenbedingungen handlungsfähig ist und die europäische Raumfahrt in die Zukunft führen kann. Mit den in Neapel gefassten Beschlüssen ist die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Raumfahrt für die kommenden Jahre gesichert. Aus deutscher Sicht gehören die Weiterführung des Ariane 5ME-Programms und die Entscheidung über die Nutzung der Internationalen Raumstation bis zum Jahr 2020, verbunden mit der Entwicklung eines europäischen Servicemoduls für das zukünftige amerikanische Orion-Raumschiff, zu den wichtigsten Ergebnissen. Deutschland ist bei der Wetter- und Klimabeobachtung, in der Katastrophenvorhersage und in Sicherheitsfragen sehr gut aufgestellt und behält zudem die Führung in der wissenschaftlichen Erdfernerkundung."
Europas autonomer Zugang zum All gesichert
Der von Deutschland und Frankreich gemeinsam vorgeschlagene und von der Konferenz nun verabschiedete Beschluss, dass die Weiterentwicklung der Ariane 5 zur Version ME parallel zum Start eines Studienprogramms der Ariane 6 erfolgen soll, sichert die erfolgreiche europäische Position im weltweiten Trägermarkt. Deutschland und Frankreich sind zu gleichen Teilen am Ariane 5ME-Programm beteiligt. Mit der Ariane 5ME-Oberstufenentwicklung können vorhandene deutsche Kompetenzen im Raumtransport erhalten und weiterentwickelt werden.
Die Internationale Raumstation ISS bis 2020
Mit Blick auf die Internationale Raumstation ISS hält Deutschland seine Verpflichtungen ein. Das ISS-Programm ist elementarer Bestandteil der deutschen Raumfahrtstrategie. Deutschland trägt mit 537 Millionen Euro zum Betrieb der ISS bei und ist mit 40,37 Prozent wichtigster Partner. Einigung konnte auch über das sogenannte Barter-Element erzielt werden. Dieses Element dient zur Kompensation der für Europa ab 2020 anfallenden ISS-Betriebskosten. Das geschieht durch die Lieferung eines Servicemoduls auf Basis der ATV-Technologie für das zukünftige amerikanische Orion-Raumschiff.
Mit dem Kontrollzentrum für das europäische Forschungslabor Columbus des DLR in Oberpfaffenhofen und dem europäischen Astronautenzentrum EAC auf dem Gelände des DLR in Köln befinden sich wichtige Einrichtungen in Deutschland.
Erdfernerkundung
Von zentraler Bedeutung für Deutschland und Europa ist die Erdfernerkundung. Deutschland führt mit 37 Prozent die gemeinsame Initiative von ESA und EU zur Umwelt- und Sicherheitspolitik GMES (Global Monitoring for Environment and Security).
Insbesondere beteiligt sich Deutschland mit 27 Prozent auch an der zweiten Generation von Wettersatelliten der MetOp-Reihe. Diese sollen ab 2020 die Wettervorhersage und Klimaforschung noch präziser machen. Prognosen der Wetterdienste werden dann für einen Zeitraum bis zu neun Tagen möglich sein.
Deutschland übernimmt in dem Industriekonsortium Führungspositionen und baut so seine Kompetenz bei raumfahrtbasierten Schlüsseltechnologien aus. Das DLR managt nationale Beistellungen von Instrumenten, die auf den neuen MetOp-Satelliten mitfliegen; darunter das Instrument METimage, entwickelt und gebaut von der Jena-Optronik GmbH. METimage bildet die Erdoberfläche im sichtbaren und im infraroten Spektrum ab und soll unter anderem den physikalischen Zustand von Wolken bestimmen, die Verteilung von Wasserdampf in der Atmosphäre messen sowie Waldbrände und andere Feuer entdecken.
Wissenschaftsprogramm
Bis 2017 investieren die ESA-Staaten rund 3,8 Milliarden Euro in das Wissenschaftsprogramm. Deutschland ist mit 19,8 Prozent größter Beitragszahler und wesentlicher Partner des Langfrist-Programms "Cosmic Vision 2015 - 2025". Bis zum Jahr 2022 plant die ESA sieben Missionen zur Erforschung des Weltraums und der Planeten, darunter die Astrometrie-Mission Gaia (geplanter Start 2013), die Technologie-Mission LISA Pathfinder (2014) und in Kooperation mit der japanischen Raumfahrtagentur JAXA die Merkur-Mission Bepi Colombo (2015). 2018 soll in Kooperation mit der NASA das James-Webb-Teleskop nach Licht von den ersten Sternen und Galaxien nach dem Urknall suchen.
Satellitenkommunikation
Die Satellitenkommunikation hat für Deutschland kommerziell und strategisch besondere Bedeutung. Mit seiner Beteiligung an den ARTES-Programmen hat Deutschland auch hier eine Führungsrolle. Mit "Elektra", einem vollständig von elektrischen Triebwerken angetriebenen Kommunikationssatelliten, wird Deutschland diesen Weg konsequent weitergehen. Der Anteil an diesem Projekt beträgt 45 Prozent.
Für die deutsche Bundesregierung führte Peter Hintze, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi), die Verhandlungen. Er wurde dabei unterstützt von der deutschen Delegation im ESA-Rat unter Vorsitz von Prof. Dr. Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), sowie Dr. Gerd Gruppe, Vorstand des DLR-Raumfahrtmanagements, und Dr. Rolf Densing, im DLR-Raumfahrtmanagement für die ESA-Programme zuständiger Direktor.
Wie lässt sich die Qualität der Schwerelosigkeit auf Forschungsraketen verbessern? Dieser Frage geht ein Studententeam der FH Aachen auf der Forschungsrakete REXUS 11 nach. Die Rakete des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) startete am 16. November 2012 um 11.45 Uhr Mitteleuropäischer Zeit vom Raumfahrtzentrum Esrange bei Kiruna in Nordschweden. Neben einem zweiten deutschen Experiment von Studenten der TU Dresden waren Versuche von Teams aus Irland, Schweden und der Schweiz mit an Bord.
Auf seinem Flug erreichte REXUS 11 eine Höhe von rund 79 Kilometern. Dabei herrschte für etwa zwei Minuten Schwerelosigkeit. Nach der Landung am Fallschirm wurde die Nutzlast von einem Hubschrauberteam geborgen und zur Raketenbasis zurückgebracht, wo die Studenten mit der Auswertung der Daten beginnen können.
Studierende der FH Aachen wollen mit ihrem Experiment ADIOS (Advanced Isolation on Sounding Rockets) die Schwerelosigkeitsforschung auf Höhenraketen verbessern. Während eines Fluges treten Vibrationen auf, die durch die Raketensysteme und Experimentapparaturen verursacht werden. Diese Schwingungen übertragen sich auf sämtliche Experimente und verhindern durch die Bewegungsimpulse eine optimale Wirkung der Schwerelosigkeit. Um diese Übertragung zu reduzieren, haben die Nachwuchswissenschaftler eine kostengünstige Plattform entwickelt, bei der die Experimentkammer während der Schwerelosigkeitsphase des Raketenflugs frei schwebt. So wollen sie eine durchschnittliche Dämpfung der Vibrationen um 90 Prozent erreichen. ADIOS stellt eine Weiterentwicklung des VibraDamp-Experiments dar, das im März 2007 auf der REXUS-7-Rakete geflogen war.
Das Experiment CaRu (Experiment on Capillarity under Microgravity shown with Runge Pictures) vom Team der TU Dresden bringt während der Schwerelosigkeits-Phase des Fluges in einer Druckkammer eine Flüssigkeit auf stark saugfähiges Papier auf. Wie breitet sich die Flüssigkeit aus? Gibt es Unterschiede zum Verhalten unter Schwerkraft? Läuft die Reaktion beispielsweise schneller ab? Diese Fragen will CaRu beantworten. Das sichtbare Ergebnis - unregelmäßige Kreise, die sich durch ihre Farbgebung unterscheiden - werden dabei von einer hochauflösenden Kamera aufgezeichnet.
Sowohl die Experimente Telescobe als auch GGES (Gravity Gradient Earth Sensor) demonstrieren neuartige Technologien. Während Telescobe vom Team des Dublin Institute of Technology einen Teleskoparm ausfahren wird, auf dem Messungen in zwei Metern Entfernung von der Rakete vorgenommen werden können, testet GGES, das Experiment von Studenten der EPFL Lausanne Sensoren zur Bestimmung der Ausrichtung der Rakete im Raum. Diese Sensoren können zukünftig auf Satelliten verwendet werden.
Die Gruppe von der KTH Stockholm geht mit ihrem Experiment RAIN (Rocket Deployed Atmospheric Probes Conducting Independent Measurements in Northern Sweden) sogar noch einen Schritt weiter, um Daten außerhalb der Rakete zu sammeln. Zwei eigenständige mit Fallschirmen ausgerüstete Messflugkörper werden während des Fluges abgeworfen um Feinstäube in der Luft zu sammeln.
Vom Staubkorn zum Himmelskörper - Forschung auf REXUS 12
Der Flug von REXUS 11 musste wegen eines technischen Problems beim Fallschirmsystem verschoben werden. Die Schwesterrakete REXUS 12 war bereits am Montag, 19. März 2012 mit vier Experimenten zur Vibrationsmessung, Technik-Erprobung und Planetenforschung gestartet.
Das Experiment SPACE (Suborbital Particle Aggregation and Collision Experiment) vom Team der Technischen Universität Braunschweig filmte während des Fluges das Verhalten von Staubkörnern in Schwerelosigkeit. Stoßen die Staubteilchen zusammen, so haften sie unter bestimmten Bedingungen aneinander und bilden Klumpen. Dieser Vorgang wird heute als wesentlicher Prozess für das Wachstum von Planeten angesehen. Ziel der Studenten war es, die Vorgänge unter Weltraumbedingungen zu erforschen und zu dokumentieren. Nach dem erfolgreichen Experiment arbeitet das Team inzwischen an einem weiteren Raketenexperiment, das mit der STIG-B-Rakete der amerikanischen Firma Armadillo in den nächsten Wochen starten soll.
Das Experiment SOMID (Solid-born Sound Measurement for the Independent Detection of Nominal and Non-Nominal Events on Space Vehicles) von Studenten der Universität der Bundeswehr in München maß mit Hilfe von vier hochsensiblen Sensoren die Vibrationen, die in der Raketenstruktur während des Fluges auftreten. Da sich das Schwingungsverhalten von intakten und defekten Bauteilen unterscheidet wollten sie so die Funktionsfähigkeit verschiedener Komponenten überprüfen. Ein Mitglied des SOMID-Studententeams, Andreas Winhard, hat mit der Präsentation des Experiments und seiner Ergebnisse auf der Studentenkonferenz des 63rd International Astronautical Congress 2012 in Neapel den zweiten Platz in der Kategorie "Graduate Students" belegt und die Hermann-Oberth Silbermedaille gewonnen.
Schaum und Netze für das Weltall
Mit an Bord war auch das Experiment REDEMPTION (Removal of Debris using Material with Phase Transition Ionospherical tests) von Studenten der Universität Bologna zur Erforschung des Verhaltens von Zweikomponentenschaum in Schwerelosigkeit. Mit seiner Hilfe sollen in Zukunft kleinere Partikel des im All umherfliegenden Weltraumschrotts eingeschlossen und dabei unschädlich gemacht werden.
Mit Suaineadh - der Name ist gälischen Ursprungs und bedeutet "drehen" - erprobten Studenten der Universitäten Glasgow, Strathclyde und der KTH Stockholm die Entfaltung eines 2 x 2 Meter großes Netzes im Weltraum mit Hilfe der Zentrifugalkraft. Derartige Konstruktionen sparen beim Raketenstart Platz und Gewicht und könnten in Zukunft herkömmliche Strukturen für Weltrauminfrastruktur ergänzen.
REXUS und BEXUS: ein Programm für den wissenschaftlichen Nachwuchs
Das Deutsch-Schwedische Programm REXUS/BEXUS (Raketen-/Ballon-Experimente für Universitäts-Studenten) ermöglicht Studenten, eigene praktische Erfahrungen bei der Vorbereitung und Durchführung von Raumfahrtprojekten zu gewinnen. Ihre Vorschläge für Experimente können jährlich im Herbst eingereicht werden. Jeweils die Hälfte der Raketen- und Ballon-Nutzlasten stehen Studenten deutscher Universitäten und Hochschulen zur Verfügung. Die schwedische Raumfahrtagentur SNSB hat den schwedischen Anteil für Studenten der übrigen Mitgliedsstaaten der Europäischen Weltraumorganisation ESA geöffnet.
Die deutschen REXUS-Experimente werden vom DLR Institut für Raumfahrtsysteme in Bremen betreut. Die Flugkampagnen führt EuroLaunch durch, ein Joint Venture der Mobilen Raketenbasis des DLR (MORABA), die für die technische Betreuung der Raketensysteme zuständig ist, und des Esrange Space Center des schwedischen Raumfahrtunternehmens SSC, das die Startinfrastruktur zur Verfügung stellt. Die programmatische Leitung erfolgt durch das DLR Raumfahrtmanagement in Bonn.
Kooperation von DLR und japanischer Raumfahrtagentur JAXA
Wenn die japanische Sonde Hayabusa-II 2014 zum Asteroiden 1999 JU 3 startet, um dort Bodenproben zu sammeln, wird sie Asteroidenlander MASCOT (Mobile Asteroid Surface Scout) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit an Bord führen: Dieser soll 2018 nach Ankunft beim Asteroiden aus der Sonde ausgeklinkt werden, auf dem Asteroiden landen, sich automatisch aufrichten und sich durch Hüpfen von einer Messung zur nächsten bewegen. Das Memorandum of Understanding - die Vereinbarung für die Zusammenarbeit - unterzeichnetem DLR und die japanische Raumfahrtagentur JAXA am 1. Oktober 2012 auf dem International Astronautical Congress IAC in Neapel.
Nach der Ankunft bei 1999 JU 3 wird die japanische Sonde Hayabusa II zunächst neben dem Asteroiden fliegen und von dort aus die Oberfläche des Himmelskörpers vermessen. Nach dieser ersten Kartographiephase kommt dann der Asteroidenlander MASCOT zum Einsatz, den das DLR in Kooperation mit der französischen Raumfahrtagentur CNES und der japanischen Raumfahrtagentur JAXA entwickelt hat: Ein Mechanismus drückt den zehn Kilogramm schweren Lander mitsamt seiner vier Instrumente aus der Raumsonde. „MASCOT fällt im freien Fall aus etwa hundert Metern Höhe auf den Asteroiden ", erläutert Projektleiterin Dr. Tra-Mi Ho vom DLR-Institut für Raumfahrtsysteme in Bremen. Sensoren sorgen dann dafür, dass MASCOT weiß, wo oben und unten ist - sich orientiert und gegebenenfalls aufrichtet.
„Mit dieser Kooperation festigen und vertiefen wir unsere bestehende Zusammenarbeit mit der japanischen Weltraumagentur JAXA ", betont DLR-Vorstandsvorsitzender Prof. Johann-Dietrich Wörner. „Zudem geschieht auf der Hayabusa II-Mission eine Premiere: Erstmals wird sich ein Lander auf der Oberfläche eines Asteroiden fortbewegen und somit an mehr als einem Ort wissenschaftliche Messungen durchführen. "
Messungen vor Ort
Während sich Hayabusa II noch über der Asteroidenoberfläche befindet, untersuchen die vier Instrumente auf MASCOT vor Ort die Beschaffenheit der Oberfläche. Das Radiometer des DLR misst die Temperatur, das Magnetometer der TU Braunschweig untersucht die Magnetisierung des Gesteins, das Spektrometer der französischen Raumfahrtagentur CNES analysiert die Minerale und Gesteine, aus denen der Asteroid besteht. Die Kamera des DLR, das vierte Instrument, nimmt die Feinstruktur der Oberfläche auf, um den Wissenschaftlern Aussagen über die Beschaffenheit, die Größe und Formen der Partikel im Asteroidenboden zu ermöglichen und die Umgebung der Landestelle zu kartographieren.
Asteroid 1999 JU 3 ist vor allem interessant für die Forscher, weil er aus wenig verändertem, 4,5 Milliarden Jahre altem Material besteht. „Außerdem zeigen Messungen von der Erde aus, dass das Gestein des Asteroiden eventuell einmal mit Wasser in Berührung gekommen ist", erläutert Prof. Ralf Jaumann, DLR-Planetenforscher und wissenschaftlicher Sprecher zu den Experimenten auf dem Lander. „MASCOT soll mit seinen Messungen direkt auf dem Boden die Referenzdaten von der Oberfläche liefern, um später die von Hayabusa II zurückgebrachten Proben im richtigen Kontext interpretieren zu können." Da 1999 JU 3 zu einem Typ Asteroiden gezählt wird, der zu den häufigsten unter den erdnahen Asteroiden zählt, können Aussagen über dessen Beschaffenheit wichtig werden, falls einmal ein Asteroid auf Kollisionskurs in Richtung Erde fliegt.
Zwei Asteroidentage im Einsatz
Die Raumsonde Hayabusa II wird währenddessen über eine Art Saugrüssel durch Projektil-Geschosse aus dem Boden aufgewirbelte Proben aufnehmen und diese anschließend zur Erde bringen, wo sie in Labors untersucht werden. "MASCOT ist der Puzzlestein in der Mitte aller Messungen", sagt Projektleiterin Tra-Mi Ho. „Sozusagen der Link zwischen den Daten, die die Sonde aus einiger Entfernung zum Asteroiden erfasst, und den Laboranalysen der Proben." Hat der DLR-Asteroidenlander an einer Position alle Messungen durchgeführt, springt er zur nächsten Stelle und beginnt dort mit neuen Messungen. Dieser Mechanismus wurde im DLR-Institut für Robotik und Mechatronik entwickelt. Insgesamt 16 Stunden - zwei komplette Asteroidentage - soll MASCOT auf dem Asteroiden arbeiten.
Fast auf den Tag genau sechs Monate nach seiner Ankunft an der Internationalen Raumstation ISS am 29. März 2012 hat Europas Raumtransporter ATV-3, benannt nach dem bekannten italienischen Physiker Edoardo Amaldi, den Außenposten im All am 28. September 2012 um 23.44 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ; 5.44 p.m. EDT) wieder verlassen.
Ursprünglich war das Abdocken von ATV-3 für vergangenen Dienstagabend vorgesehen. Nach Aussagen der amerikanischen Weltraumbehörde NASA gab es aber eine Fehlermeldung in der Kommunikation zwischen dem Raumtransporter und dem russichen Swesda-Modul der ISS. Hier hatte "Edoardo Amaldi" seit Ende März angedockt. Bereits am Montag hatten die beiden Flugingenieure Yuri Malenchenko und Aki Hoshide - beide Mitglieder der aktuellen ISS-Expedition 33 - die Beladung von "Edoardo Amaldi" beendet, die Luken geschlossen und mit den Vorbereitungen für das Abdocken begonnen. Der japanische Astronaut Aki Hoshide hat zudem den so genannten "Re-entry Breakup Recorder" (REBR) in dem Raumtransporter installiert und aktiviert.
Kleiner Rekorder soll Daten vom Wiedereintritt sammeln
Vor dem Abkopplungsmanöver hat die ISS-Besatzung das ATV mit rund 1.300 Kilogramm trockenen und flüssigen Abfällen beladen, die beim geplanten Wiedereintritt des Transporters am Abend des 2. Oktober 2012 über dem Südpazifik zusammen mit dem ATV verglühen sollen. Mit zwei Bremsmanövern wird das Raumfahrzeug auf seine Wiedereintrittsbahn gebracht. Danach bringen die Steuerdüsen ATV ins Taumeln, damit der Transporter schneller fragmentiert. Um genauere Informationen über die Belastungen des Wiedereintritts zu erhalten, hat das Raumfahrzeug eine Art Flugschreiber an Bord: Der so genannte "Re-entry Breakup Recorder" (REBR) soll während des Absturzes Daten aufzeichnen. Der REBR war schon bei der ATV-2-Mission 2011 im Einsatz, konnte allerdings keine Daten übertragen. Für die ATV-3-Mission wurde der Rekorder weiter von den Antriebstanks entfernt platziert, um mögliche Beschädigungen vor dem Zerbrechen des Raumfahrzeugs zu verhindern. "Wenn Edoardo Amaldi am Dienstagabend in die Erdatmosphäre eintritt, aktiviert das System eine Reihe von Minisensoren, die etwa fünf Minuten lang Daten zu Temperatur, Druck und anderen Parametern sammeln", erklärt Volker Schmid, ATV-Projektleiter beim Raumfahrtmanagement des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). "Der REBR besitzt einen integrierten Sender, der die gesammelten Daten dann vor seinem Zerfall zu einem Iridium-Kommunikationssatelliten hochladen soll."
Das schwerste und komplexeste Raumfahrzeug aus Europa
Das "Automated Transfer Vehicle" (ATV) ist das schwerste, größte und komplexeste Raumfahrzeug, das bislang in Europa gebaut worden ist: Es wiegt mit Fracht über 20 Tonnen, hat einen Durchmesser von viereinhalb Metern und ist zehn Meter lang. Die entfalteten Solarpanele messen mehr als 22 Meter. 30 Unternehmen aus zehn europäischen Ländern sowie acht Firmen aus Russland und den USA liefern Bauteile und Komponenten für das Raumfahrzeug, das autonom zur ISS navigiert und dort vollautomatisch andockt. Das ATV ist das europäische Versorgungs- und Antriebsraumschiff für die ISS. Im Vergleich zu seinen Vorgängern "Jules Verne" (2008) und "Johannes Kepler" (2011) hat Edoardo Amaldi rund 600 Kilogramm zusätzliche Trockenfracht an Bord. Insgesamt hat das dritte ATV 6,8 Tonnen Fracht zur Raumstation gebracht.
Lieferant für Treibstoff, Nahrung, Kleidung und Experimente
Der Raumtransporter hat die Astronauten auf der ISS im vergangenen halben Jahr mit Lebensmitteln, Kleidung, Wasser und Luft, Experimenten und medizinischer Ausstattung versorgt. "Zudem hatte es zirka 3400 Kilogramm Treibstoff für neun ISS-Bahnkorrekturen an Bord. Dadurch konnte die ISS um insgesamt 26 Kilometer angehoben werden", erklärt DLR-Projektleiter Schmid. Diese Manöver waren ein bis zweimal pro Monat notwendig, um das Abbremsen der ISS durch den Widerstand der Atmosphäre und den damit einhergehenden Höhenverlust auszugleichen.
ATV-3 Edoardo Amaldi ist am 23. März 2012 um 05.34 Mitteleuropäischer Zeit an Bord einer Ariane-5ES-Rakete vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana zur ISS gestartet. Das ATV-4 - getauft auf den Namen "Albert Einstein" - soll im April 2013 seine Reise zur Internationalen Raumstation antreten. Der letzte europäische Raumtransporter ATV-5 "Georges Lemaitre" soll im Jahr 2014 folgen.
Als nächstes Versorgungsraumschiff soll die US-amerikanische Dragon-Kapsel des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX am 7. Oktober 2012 zur Internationalen Raumstation starten.
Der Forschungsballon BEXUS 15 hob am 25. September 2012 um 12:18 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit vom schwedischen Raumfahrtzentrum Esrange zu seinem mehrstündigen Flug in die Stratosphäre ab. Bereits am Tag zuvor war der Schwesterballon BEXUS 14 erfolgreich gestartet. An Bord der beiden gemeinsamen Missionen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Schwedischen Raumfahrtbehörde SNSB befanden sich sechs wissenschaftliche Experimente, die Studentengruppen aus Deutschland, Ungarn und Italien, sowie ein französisch-japanisches Team entworfen und gebaut haben.
Sonnenstrahlen hoch über den Wolken
Wie viel Licht an der Oberfläche von Materie reflektiert wird oder durch sie hindurchläuft, hängt sowohl von ihrer Beschaffenheit als auch von der Wellenlänge des Lichts ab. Diese Eigenschaft wird zum Beispiel genutzt, um mit Hilfe einer Sonnenbrille das schädliche UV-Licht aus den Sonnenstrahlen zu filtern. Ein Team von Studenten der Universität Oldenburg und der Technischen Fachhochschule Bochum untersucht in seinem SolSpecTre-Experiment (Measurement of Solar Spectrum), wie sich das Spektrum des Sonnenlichts verändert, wenn mit zunehmender Höhe des Ballons die Luft dünner wird. Sie erwarten, dass die UV- und nahe Infrarotstrahlung im Verhältnis zum sichtbaren Licht ansteigt, wenn der Gehalt an Sauerstoff, Stickstoff und anderen Gasen sowie der Wassergehalt und damit auch die gasspezifische Absorption abnehmen. Zur Messung verwenden sie ein Spektrometer. Damit genügend Sonnenstrahlung in dessen kleine Messöffnung fallen kann, hat das Team darüber einen nach außen gewölbten Spiegel angebracht, der dem Spektrometer einen "Rundum-Panoramablick" ermöglicht. "Es ist faszinierend, wie innerhalb eines Jahres aus einer einfachen Idee ein vollwertiges Experiment entstanden ist", freut sich Thomas Albin, der Leiter des Studententeams.
Mit der Wirkung von Weltraumstrahlung beschäftigt sich das Experiment BioDos von Studenten der Budapest University of Technology and Economics. Mit biologischen UV-Dosimetern möchte das Team in Abhängigkeit von der Ballonhöhe die biologisch effektive UV-Strahlungsdosis bestimmen, bei der eine Schädigung des in den Dosimetern enthaltenen biologischen Materials eintritt.
Mit AMES und MISSUS die Atmosphäre im Blick
Das Experiment AMES (Atmospheric Magnetical and Electrical field Sensors) wird von französischen Studenten des Gustave Eiffel College und der Universität Paris zusammen mit japanischen Studenten der Partneruniversität in Gakugei durchgeführt. Sie wollen während der gesamten Flugzeit die Stärke des elektrischen sowie des magnetischen Feldes vom Erdboden bis in die Stratosphäre messen. Beide Datenreihen sollen anschließend in Relation zueinander gesetzt werden.
MISSUS (Meteorological Integrated Sensor Suite for Stratospheric analysis), das Experiment der italienischen Studenten der Universität Padua, umfasst ein ganzes Paket von Sensoren. Mit ihnen misst das Team die wichtigsten meteorologischen Daten Temperatur, Druck und Feuchte und bestimmt außerdem die Lage der Ballongondel sowie deren genauen Flugweg. Mit den Daten soll das theoretische Atmosphärenmodell der Wissenschaft in der Realität überprüft werden.
Experimente zur Weltraumstrahlung auf BEXUS 14
Bereits einen Tag vorher, am 24. September 2012, war der Forschungsballon BEXUS 14 mit zwei studentischen Experimenten an Bord gestartet. Mit ihnen wollen die Studenten verschiedene Anteile der Weltraumstrahlung erforschen. Studenten der Universität Kiel messen mit ihrem Experiment MONSTA (Measurement Of Neutrons with Scintillators in The Atmosphere) die Veränderungen der Neutronen- und Gammastrahlenflüsse, die beim Zusammenstoß hochenergetischer kosmischer Teilchen mit den Molekülen und Atomen der Atmosphäre entstehen. Die Höhenabhängigkeit dieser Teilchenflüsse sowie die daraus resultierende Dosis sollen bestimmt werden. "Auf BEXUS können wir diese Messungen in internationaler Kooperation durchführen. Das ist eine tolle Gelegenheit für uns", sagt Enno Scharrenberg, der Leiter des Teams.
In derselben Ballongondel hat ein Studententeam mehrerer ungarischer Universitäten gleich ein ganzes Sortiment an unterschiedlichen Strahlenmessgeräten (Dosimetern) zur modernen Experimentplattform TECHDOSE (Technology Platform for Advanced Cosmic Radiation and Dosimetric Measurements) integriert. Sie wollen damit ein möglichst vollständiges Spektrum von Strahlen in Abhängigkeit von der Sonnenaktivität untersuchen. Vergleichsdaten für die Ergebnisse liefert das Experiment eines anderen Teams, CoCoRAD, das auf BEXUS 12 mitgeflogen war.
Ein Wetterballon als Mini-BEXUS
Nach BEXUS 14 und 15 startet am 26. September 2012 ein Wetterballon mit einem weiteren Experiment der aktuellen Kampagne. Er trägt den Flugkörper des VEXREDUS (Vehicle Extended Reentry Duration - University Stuttgart) Studententeams der Universität Stuttgart und der schwedischen Universität Luleå in eine Höhe von etwa zehn Kilometern. Dort wird der Gleiter, der mit seiner übergangslosen Flügel-Rumpfverbindung unkonventionell geformt ist, ausgeklinkt und kehrt selbständig via Autopilot zu einem vorher festgelegten Landeplatz zurück. Die Studenten testen dabei das Flugverhalten des Geräts in dünner Atmosphäre. Eine hochauflösende Videokamera an Bord dokumentiert den Flug.
REXUS/BEXUS: das Programm für den wissenschaftlichen Nachwuchs
Das deutsch-schwedische Programm REXUS/BEXUS (Raketen-/Ballon-Experimente für Universitäts-Studenten) ermöglicht Studenten, eigene praktische Erfahrungen bei der Vorbereitung und Durchführung von Raumfahrtprojekten zu gewinnen. Die diesjährigen Ausschreibungen des DLR Raumfahrtmanagements sowie der schwedischen Raumfahrtbehörde SNSB (Swedish National Space Board) zu neuen Experimentvorschlägen für BEXUS 16 und 17 im Herbst 2013 sowie REXUS 15 und 16 im Frühjahr 2014 laufen bereits. Die Bewerbungen können bis 22. Oktober 2012 eingereicht werden.
Jeweils die Hälfte der Raketen- und Ballon-Nutzlasten steht für Experimente von Studenten deutscher Universitäten und Hochschulen zur Verfügung. Die schwedische Raumfahrtagentur SNSB hat ihren Anteil auch für Studenten der übrigen ESA-Mitgliedsstaaten geöffnet. Die Flugkampagnen werden von EuroLaunch, einem Joint Venture der Mobilen Raketenbasis des DLR (MoRaBa) und dem Esrange Space Center des schwedischen Raumfahrtunternehmens SSC, durchgeführt. Die deutschen Studententeams erhalten technische und logistische Unterstützung durch das DLR.
Die Voraussetzung für den schnellen, zuverlässigen Datenaustausch zwischen Satelliten und der Erde ist der Aufbau einer modernen Infrastruktur. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistet das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur und Verkehr am 6. September 2012 mit der Übergabe eines Bewilligungsbescheids über 7,5 Mio Euro an das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Diese Fördergelder fließen in den Ausbau und die Modernisierung der Infrastruktur an den DLR Standorten in Weilheim und in Oberpfaffenhofen für eine verbesserte Kommunikation zwischen Weltall und Erde.
Moderne Infrastruktur für zukünftige Weltraummissionen
Um mit Satelliten zu kommunizieren, sprich Daten austauschen zu können, benötigt man ein Bodensegment. Ein Teil dieses Segments sind Antennenanlagen. Der DLR-Raumflugbetrieb betreibt am Standort Weilheim die ZDBS - die Zentralstation des Deutschen Bodensystems. Über eine Vielzahl von unterschiedlichen Antennen von 4,5 bis 30 Meter Durchmesser findet dort der Datenaustausch statt. Da die Infrastruktur in Weilheim bereits an die Kapazitätsgrenze stößt, müssen für zukünftige Missionen entsprechende Voraussetzungen geschaffen werden. Am DLR Standort in Weilheim sollen zwei neue Antennen im höchsten zur Zeit genutzten Frequenzband - im Ka-Band - aufgebaut werden. . Zum Aufbau und Betrieb der Antennen muß die Infrastruktur in Weilheim erweitert und teilweise neu errichtet werden.
"Satellitendaten sind ein Wachstumsmarkt. Es geht darum Standards zu setzen und da haben wir derzeit die Nase vorn. Die Finanzierung aus Bayern schafft für das DLR eine hervorragende Ausgangsposition für künftig wissenschaftliche und kommerzielle Weltraummissionen. Sie stärkt Oberpfaffenhofen als europäisches Satellitendatenzentrum" so Dr. Gerd Gruppe, Mitglied des DLR-Vorstandes und zuständig für das Raumfahrtmanagement in Bonn.
Das DLR Bodensegment besteht neben den Antennenanlagen aus den Missionskontrollzentren in Oberpfaffenhofen und der Kommunikations-Infrastruktur. Am Standort in Oberpfaffenhofen soll ein neuer Kontrollraum für zukünftige geostationäre Missionen errichtet werden. Umfangreiche Investitionen sind außerdem für die Gelände- und Gebäudesicherheit sowie für die IT-Sicherheit notwendig.
Datenautobahn im All
Mit der Finanzierung soll in Oberpfaffenhofen und am Standort Weilheim außerdem die Grundlage geschaffen werden, um sich an zukünftigen europäischen Raumfahrtprogrammen, wie zum Beispiel dem Aufbau eines Europäischen Daten-Relais Systems (EDRS) beteiligen zu können. "Wenn es darum geht, mit ERDS eine 'Datenautobahn im Weltall' aufzubauen und zu betreiben, dürfen die bayerischen Forscher am DLR in Oberpfaffenhofen nicht fehlen. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir in Bayern über das Wissen und die Kompetenz verfügen, um dieses außerordentlich anspruchsvolles Projekt der Europäischen Weltraumorganisation ESA umzusetzen. Das Weltraum-gestützte System steht für die Zukunft", betont Martin Zeil, Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie bei der Übergabezeremonie in Oberpfaffenhofen. Mit dem neuen System wird es möglich sein, umfangreiche Erdbeobachtungsdaten sehr viel schneller als bisher vom All zur Erde zu übertragen. Das ist insbesondere für Notfalldienste bei Naturkatastrophen oder für Krisenmanagement von großer Bedeutung. Die am DLR Standort in Weilheim geplanten neuen Ka-Band Antennen werden beispielsweise für das neuartige Datenrelaissatellitensystem EDRS genutzt. Bei Ausfall des Satellitenkontrollzentrums in Oberpfaffenhofen wird auf ein redundantes Back-Up-Kontrollzentrum am Standort Weilheim umgeschaltet, welches innerhalb kürzester Zeit kritische Funktionen für den Satellitenbetrieb übernehmen kann. Die vorhandene Daten- und Kommunikationsinfrastruktur in den Einrichtungen des DLR muss angepasst werden, um die Anforderungen von EDRS und zukünftigen europäischen Raumfahrtmissionen erfüllen zu können.
Stärkung der regionalen Vernetzung
Die Installation des Satellitenkontrollzentrums und der primären Sende- und Empfangsstationen auf dem Gelände des DLR in Oberpfaffenhofen und Weilheim schaffen hochqualifizierte zusätzliche Arbeitsplätze in Weilheim und Oberpfaffenhofen. Zahlreiche Aufträge können außerdem an lokale kleine und mittelständische Unternehmen vergeben werden. Dies und die lange Projektlaufzeit - bis mindestens 2030 – trägt wesentlich zur Standortsicherung Weilheims bei.
Ein Service-Satellit fängt einen unkontrollierbaren Satelliten im All ein, repariert oder betankt ihn und kümmert sich am Missionsende darum, dass der defekte Satellit kontrolliert entsorgt wird. Was sich nach Science Fiction anhört, ist der Wirklichkeit nun ein Stück näher. Das Raumfahrtmanagement des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat die Astrium GmbH mit der Gesamtsystemführung für die missionsvorbereitende Phase einer "Deutschen Orbitalen Servicing Mission"- kurz DEOS - beauftragt.
Dr. Gerd Gruppe, DLR-Vorstandsmitglied für das Raumfahrtmanagement, und Eckard Settelmeyer, Standortleiter Astrium Friedrichshafen, haben am 13. September 2012 auf der ILA Berlin Air Show den DEOS-Vertrag unterzeichnet. Das Raumfahrtunternehmen erhält damit den Zuschlag für die Systemverantwortung im Rahmen einer vorbereitenden Missions- und Produktdefinition (Designphase). Die Laufzeit dieses Vertrages beträgt ein Jahr und ist mit einem Volumen von 15 Millionen Euro (brutto) verbunden. Hauptverantwortlich bei Astrium sind die Geschäftsbereiche "Satellites" in Friedrichshafen und "Space Transportation" in Bremen. Zu den insgesamt sieben Unterauftragnehmern zählen auch der DLR-Raumflugbetrieb und das DLR-Robotik- und Mechatronik-Zentrum in Oberpfaffenhofen. Die Designphase ist der letzte Schritt, bevor mit dem Bau der Satelliten selbst begonnen werden kann.
"Serviceleistungen im Weltraum werden erst durch die Raumfahrt-Robotik möglich. Die Leistungsfähigkeit moderner Roboter ist vergleichbar mit den Fähigkeiten eines Astronauten in seinem Raumanzug. Die DEOS-Mission soll dies erstmals unter Beweis stellen - als nationale Technologieverifikation zur Wartung und gezielten Rückführung ausgedienter Satelliten aus einer niedrigen Erdumlaufbahn", sagte DLR-Vorstand Gerd Gruppe auf der ILA. "Darüber hinaus wollen wir mit DEOS auch die Einführung nachhaltiger orbitaler Infrastrukturen vorbereiten. Im Fokus stehen leistungsfähige Methoden, um Tele-Operationen und den Automatikbetrieb eines Satelliten zu steuern", verdeutlichte Gruppe das Potenzial der DEOS-Mission.
Hintergrund ist die ständig zunehmende Anzahl von Satelliten im All. Dadurch steigt auch die Gefahr von Kollisionen. Zusammenstöße von unkontrollierbaren Raumfahrzeugen lassen sich nicht mehr mit Sicherheit ausschließen. Systemlösungen, um havarierte Satelliten aus den überfüllten Umlaufbahnen zu bergen, fehlen aber bislang. DEOS soll diese Lücke schließen. Ziel ist ein operationelles, so genanntes On-Orbit-Servicing-System. Neben der Inspektion und Wartung dient ein derartiges System also insbesondere dazu, Weltraumschrott zu beseitigen und ihn erst gar nicht entstehen zu lassen, indem Satelliten am Ende ihrer Lebensdauer kontrolliert entsorgt werden.
DEOS soll die dafür erforderlichen Technologien und Fähigkeiten, vom Finden und Anfliegen eines Satelliten über das zerstörungsfreie Einfangen und Manipulieren bis hin zum kontrollierten Entsorgen unter realen Weltraumbedingungen erproben und qualifizieren. Dazu werden zwei Satelliten, ein sogenannter Servicer und ein Client, gemeinsam in einen niedrigen Erdorbit gestartet und dann voneinander separiert. Anschließend folgt ein umfangreiches Experimental- und Verifikationsprogramm, bevor der Satellitenverbund dann wieder in die Erdatmosphäre eintaucht und verglüht.
DEOS wird vom DLR Raumfahrtmanagement mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie realisiert.
Die Voraussetzung für den schnellen, zuverlässigen Datenaustausch zwischen Satelliten und der Erde ist der Aufbau einer modernen Infrastruktur. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistet das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur und Verkehr am 6. September 2012 mit der Übergabe eines Bewilligungsbescheids über 7,5 Mio Euro an das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Diese Fördergelder fließen in den Ausbau und die Modernisierung der Infrastruktur an den DLR Standorten in Weilheim und in Oberpfaffenhofen für eine verbesserte Kommunikation zwischen Weltall und Erde.
Moderne Infrastruktur für zukünftige Weltraummissionen
Um mit Satelliten zu kommunizieren, sprich Daten austauschen zu können, benötigt man ein Bodensegment. Ein Teil dieses Segments sind Antennenanlagen. Der DLR-Raumflugbetrieb betreibt am Standort Weilheim die ZDBS - die Zentralstation des Deutschen Bodensystems. Über eine Vielzahl von unterschiedlichen Antennen von 4,5 bis 30 Meter Durchmesser findet dort der Datenaustausch statt. Da die Infrastruktur in Weilheim bereits an die Kapazitätsgrenze stößt, müssen für zukünftige Missionen entsprechende Voraussetzungen geschaffen werden. Am DLR Standort in Weilheim sollen zwei neue Antennen im höchsten zur Zeit genutzten Frequenzband - im Ka-Band - aufgebaut werden. . Zum Aufbau und Betrieb der Antennen muß die Infrastruktur in Weilheim erweitert und teilweise neu errichtet werden.
"Satellitendaten sind ein Wachstumsmarkt. Es geht darum Standards zu setzen und da haben wir derzeit die Nase vorn. Die Finanzierung aus Bayern schafft für das DLR eine hervorragende Ausgangsposition für künftig wissenschaftliche und kommerzielle Weltraummissionen. Sie stärkt Oberpfaffenhofen als europäisches Satellitendatenzentrum" so Dr. Gerd Gruppe, Mitglied des DLR-Vorstandes und zuständig für das Raumfahrtmanagement in Bonn.
Das DLR Bodensegment besteht neben den Antennenanlagen aus den Missionskontrollzentren in Oberpfaffenhofen und der Kommunikations-Infrastruktur. Am Standort in Oberpfaffenhofen soll ein neuer Kontrollraum für zukünftige geostationäre Missionen errichtet werden. Umfangreiche Investitionen sind außerdem für die Gelände- und Gebäudesicherheit sowie für die IT-Sicherheit notwendig.
Datenautobahn im All
Mit der Finanzierung soll in Oberpfaffenhofen und am Standort Weilheim außerdem die Grundlage geschaffen werden, um sich an zukünftigen europäischen Raumfahrtprogrammen, wie zum Beispiel dem Aufbau eines Europäischen Daten-Relais Systems (EDRS) beteiligen zu können. "Wenn es darum geht, mit ERDS eine 'Datenautobahn im Weltall' aufzubauen und zu betreiben, dürfen die bayerischen Forscher am DLR in Oberpfaffenhofen nicht fehlen. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir in Bayern über das Wissen und die Kompetenz verfügen, um dieses außerordentlich anspruchsvolles Projekt der Europäischen Weltraumorganisation ESA umzusetzen. Das Weltraum-gestützte System steht für die Zukunft", betont Martin Zeil, Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie bei der Übergabezeremonie in Oberpfaffenhofen. Mit dem neuen System wird es möglich sein, umfangreiche Erdbeobachtungsdaten sehr viel schneller als bisher vom All zur Erde zu übertragen. Das ist insbesondere für Notfalldienste bei Naturkatastrophen oder für Krisenmanagement von großer Bedeutung. Die am DLR Standort in Weilheim geplanten neuen Ka-Band Antennen werden beispielsweise für das neuartige Datenrelaissatellitensystem EDRS genutzt. Bei Ausfall des Satellitenkontrollzentrums in Oberpfaffenhofen wird auf ein redundantes Back-Up-Kontrollzentrum am Standort Weilheim umgeschaltet, welches innerhalb kürzester Zeit kritische Funktionen für den Satellitenbetrieb übernehmen kann. Die vorhandene Daten- und Kommunikationsinfrastruktur in den Einrichtungen des DLR muss angepasst werden, um die Anforderungen von EDRS und zukünftigen europäischen Raumfahrtmissionen erfüllen zu können.
Stärkung der regionalen Vernetzung
Die Installation des Satellitenkontrollzentrums und der primären Sende- und Empfangsstationen auf dem Gelände des DLR in Oberpfaffenhofen und Weilheim schaffen hochqualifizierte zusätzliche Arbeitsplätze in Weilheim und Oberpfaffenhofen. Zahlreiche Aufträge können außerdem an lokale kleine und mittelständische Unternehmen vergeben werden. Dies und die lange Projektlaufzeit - bis mindestens 2030 – trägt wesentlich zur Standortsicherung Weilheims bei.
Am 22. Juli 2012 ist um 8:41:39 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit (12:41:39 Uhr Ortszeit) der erste deutsche Kleinsatellit des OOV-Programms an Bord einer russischen Sojus-Rakete vom Weltraumbahnhof in Baikonur (Kasachstan) gestartet: TET-1 ist ein Technologieerprobungsträger mit elf Experimenten an Bord, die sich ein Jahr lang unter realen Weltraumbedingungen bewähren müssen.
Elf Weltraumtechnologien ein Jahr lang im Orbit testen
Denn im Weltraum gelten andere Bedingungen als auf der Erde: Große Temperaturunterschiede, Schwerelosigkeit und Weltraumstrahlung. Bauteile von Satelliten, der Internationalen Raumstation ISS und anderen Systemen müssen diesen Einflüssen standhalten und zuverlässig funktionieren. Im Rahmen seines "On-Orbit-Verification" (OOV)-Programms testet das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Weltraumtechnologien direkt im All.
"Die im Weltraum eingesetzten Technologien müssen zuverlässig funktionieren. Sonst ist Anwendern das Risiko eines Raumfahrt-Einsatzes zu hoch. Die Verifikation der Weltraumtauglichkeit, bedingt durch die dort herrschenden Umwelteinflüsse, ist deshalb unablässig", schildert der DLR-Vorstandsvorsitzende Prof. Johann-Dietrich Wörner den Hintergrund für das OOV-Programm, dessen Kernelement die TET-Satelliten sind. "Mit dem erfolgreichen Flug des TET-1-Sateliten ermöglichen wir den beteiligten Unternehmen, ihre Nutzlasten für den Einsatz im Weltraum direkt zu qualifizieren", erläuterte Wörner anlässlich des TET-1-Starts. Bislang konnten neue Technologien nur auf der Erde getestet werden. Weltraumeinflüsse sind vielfältig: So kann zum Beispiel energiereiche Partikelstrahlung zur Zerstörung der Bordelektronik eines Satelliten führen, was dann die Übertragung von Fernseh- oder Mobilfunk-Signalen aus dem All unterbricht.
Brücke von der Erprobung am Boden zur Nutzung im All
TET-1 ist 120 Kilogramm leicht und hat Platz für 50 Kilogramm schwere Nutzlasten. Das DLR Raumfahrtmanagement hat das Raumfahrtunternehmen Kayser-Threde GmbH als Hauptauftragnehmer mit der Entwicklung des Satelliten beauftragt. Zu den elf Experimenten, die das DLR für die erste Mission ausgewählt hat, zählen unter anderem Solarzellen, Navigationsgeräte, eine Weltraumkamera, mit der Waldbrände detektiert werden können, Kommunikations- und Satelliten-Antriebssysteme sowie Computer-Hardware. TET-1 wird ein Jahr lang in einer niedrigen Erdumlaufbahn (Low Earth Orbit, LEO) in 520 Kilometern Höhe operieren. Danach wird er langsam wieder in die Erdatmosphäre eintreten und verglühen.
"Mit dem OOV-Programm schlagen wir eine Brücke von der Erprobung am Boden zur Nutzung im Weltraum", verdeutlicht Christoph Hohage, Programmdirektor Raumfahrt im DLR Raumfahrtmanagement. "Wir wollen der Raumfahrtindustrie, aber auch Forschungseinrichtungen, dabei regelmäßig zuverlässige, sichere und kurzfristig einsetzbare Mitfluggelegenheiten anbieten und so die Nutzung von bislang nicht weltraumqualifizierten Technologien in zukünftigen Raumfahrtprojekten erleichtern."
Das "Gestell" des kühlschrankgroßen Kleinsatelliten, der so genannte Satellitenbus, basiert auf dem 2001 gestarteten DLR-Forschungssatelliten BIRD (Bi-Spectral Infrared Detection). "TET-1 ist im Vergleich zu BIRD jedoch leistungsfähiger", erklärt Michael Turk, TET-Projektleiter im DLR-Raumfahrtmanagement. "TET-1 bietet mehr Volumen und mehr Platz für Nutzlasten." Gebaut wurde der Satellitenbus von der Astro- und Feinwerktechnik Adlershof GmbH. An der Entwicklung beteiligt waren auch die DLR-Institute für Robotik und Mechatronik und für Raumfahrtsysteme. Das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum beim DLR in Oberpfaffenhofen (German Space Operation Center, GSOC) ist für den Missionsbetrieb von TET-1 verantwortlich, das russische Raumfahrtunternehmen Lavoshkin für den Start des Satelliten.
Erster Funkkontakt über Spitzbergen
Nach seinem erfolgreichen Launch am 22. Juli 2012 hatte TET-1 um 10:24 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit seinen ersten Funkkontakt mit der Bodenstation in Spitzbergen. "Jetzt kann unsere Arbeit beginnen", freute sich GSOC-Direktor Prof. Felix Huber. Per Telekommando werden die elf verschiedenen Experimente während der kommenden zwölf Monate eingeschaltet. Die Daten der Nutzlasten werden von der Bodenstation des Deutschen Fernerkundungsdatenzentrums (DFD) im DLR in Neustrelitz empfangen und von dort an die Experimentatoren zur Auswertung weitergegeben. Die Daten der vom DLR entwickelten Infrarotkamera an Bord von TET-1 werden beim DFD zu Informationsprodukten weiterverarbeitet und für Forschung in den Bereichen Klima und Sicherheit eingesetzt.
Die deutsche Satellitenmission TET-1 ist mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie realisiert worden. Für Entwicklung und Bau des Satelliten sind rund 27 Millionen Euro, für den Missionsbetrieb zwei Millionen Euro investiert worden.
DLR-Wissenschaftler beginnen mit Auswertungen - Bisher keine Bergung des Flugkörpers
Nach dem Flug des Raumfahrzeugs Shefex II am 22. Juni 2012 ziehen die Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) eine erste Bilanz. "Shefex II ist wie vorberechnet geflogen, wir haben für alle Experimente umfangreiche und wertvolle Daten in Echtzeit erhalten", sagt DLR-Projektleiter Hendrik Weihs. Mit dem Flugkörper erforschen die Wissenschaftler Technologien, mit denen der Wiedereintritt von Raumfahrzeugen kostengünstiger wird. Nach dem Flug sollte ein Schiff einen Teil des Raumfahrzeugs westlich von Spitzbergen bergen, doch fehlende Daten in den letzten Flugsekunden und die schlechte Wetterlage auf See erschwerten dies. Nun prüfen die Forscher, ob eine Ortung und Bergung vom Meeresgrund möglich ist.
Schon am Abend des 22. Juni 2012, kurz nach dem zehnminütigen Flug von Shefex II von der norwegischen Raketenstation Andoya aus, empfing ein Suchflugzeug erste schwache Signale des Flugkörpers, der westlich von Spitzbergen im Wasser landen sollte. "Dadurch wissen wir, dass auch die Landung wie geplant ablief, denn erst nachdem sich der Fallschirm geöffnet hatte, konnte die Sonde ihr Signal ausstrahlen", erläutert Projektleiter Weihs. Im Idealfall hätten die Wissenschaftler Daten von der Radarstation in Spitzbergen erhalten, die die letzten Sekunden des Flugs mitverfolgen sollte. "Leider hat die Station den Flugkörper nicht verfolgen können." Von den ursprünglich 55 Sekunden Experimentierphase, in der Shefex durch die Atmosphäre fliegt, fehlen nun die letzten fünf Sekunden - für die Wissenschaftler selbst kein großer Datenverlust, für die Bergung auf hoher See hingegen eine Herausforderung. "Das Signal selbst kann nur von unserer Raumsonde stammen, da wir Aufnahmen unseres Satelliten TerraSAR-X ausgewertet haben - und im Landegebiet keine anderen Objekte erkennbar waren", erläutert Weihs. Bei Wellen von mehr als drei Metern Höhe konnte das Bergungsschiff allerdings nicht nah genug an die vermutete Landestelle fahren. Am 24. Juni 2012 wurde die Suche dann abgebrochen. "Wir untersuchen jetzt, wo genau der Flugkörper auf Grund gesunken ist und ob man ihn dort bergen kann."
Aktiv gesteuert und gekühlt
Für die Auswertung ihrer Experimente nutzen die Wissenschaftler die große Anzahl Daten, die die Stationen am Startplatz sowie auf dem nahegelegenen Berg bis in eine Höhe von 29 Kilometern aufzeichneten. Die Experimentphase begann in einer Höhe von etwa 100 Kilometern mit dem Wiedereintritt in die Atmosphäre und sollte in 20 Kilometern Höhe enden. "Wir wissen schon jetzt, dass die Steuerflügel, die so genannten Canards, funktioniert haben", sagt Weihs. Im Gegensatz zu Flugkörper Shefex I, der 2005 flog, konnten die Forscher dieses Mal das Raumfahrzeug aktiv steuern. Bereits während des Flugs war erkennbar, dass Shefex II die Steuermanöver wie geplant durchführte. Daten gibt es beispielsweise auch zu einem Experiment, bei dem eine poröse Hitzeschutzkachel von Stickstoff durchströmt wurde, um somit eine aktive Kühlung zu ermöglichen. "Wir haben die Daten zum Ausströmen des Gases, wir haben die Temperaturen an der Oberfläche des Flugkörpers - jetzt beginnt die Auswertung." Zufrieden sind die Wissenschaftler auch mit dem exakten Flug des Raumfahrzeugs. "Erstmals hat unsere mobile Raketenbasis so ein Trägersystem in dieser Konstellation entwickelt und geflogen." Die Erfahrungen von Shefex II sollen in das Nachfolgeprojekt Shefex III einfließen - einem Raumfahrzeug, dessen Eintritt in die Atmosphäre bis zu 15 Minuten dauern soll. "Die Bergung wäre letztendlich das Tüpfelchen auf dem i gewesen", sagt Projektleiter Weihs.
Der Standort Weilheim des Deutschen Zentrums für Luft-und Raumfahrt (DLR) ist um eine Satellitenempfangsanlage reicher: In Anwesenheit internationaler Gäste aus Politik, Forschung und Industrie wurde am 25. Juni 2012 die "Ka-Band Antenne" feierlich eingeweiht. Die neue Empfangsanlage arbeitet im kurzwelligen Ka-Frequenzband und dient zu Forschungszwecken. Sie soll vor allem testen, wie gut ein neuer Satellit im All funktioniert. Der Bau der Ka-Band Antenne wurde von Luxemburg und Deutschland zu gleichen Teilen mit jeweils 4,5 Millionen Euro finanziert und in einer Kooperation des DLR mit der Luxemburger Firma SES Techcom verwirklicht.
Besondere Eigenschaften
Größer, stärker und genauer - die neue Antenne in Weilheim schafft neue Dimensionen. Sie verfügt über einen Reflektor mit stolzen 13 Meter Durchmesser und deckt im sogenannten Ka-Band einen Frequenzbereich zwischen 18,1 und 30 Gigahertz ab. Mit 91 Dezibel Watt ist ihre Ausgangsleistung sprichwörtlich spitze. Zum Vergleich: In der Regel werden Ka-Band Antennen mit einem fünf bis sechs Meter großen Reflektor betrieben. Dadurch sind diese auf eine Ausgangsleistung von 83 Dezibel Watt beschränkt.
Als Tor in die neue Dimension muss die 13-Meter-Antenne höchste Anforderungen in der Herstellungsgenauigkeit und der Bewegungspräzision erfüllen. So ist ihr Parabolspiegel auf ein Zehntel Millimeter genau gefertigt und trotzt dabei allen saisonalen Außentemperaturen. Nur bei Ablagerungen von Schnee und Eis wird mit einem Heizsystem nachgeholfen, um stets die Oberflächenform der Präzisionsantenne zu garantieren. Die Richtgenauigkeit der Empfangsanlage beträgt 0,001° - ein Tausendstel Grad.
Eine weitere Besonderheit der Ka-Band Antenne ist die zusätzliche Ausstattung mit einem Messsystem. Es erfasst die Leistungsfähigkeit von Satelliten sowohl nach dem Start als auch während des laufenden Betriebs. Bei einem solchen In-Orbit-Testing (IOT) werden Kenngrößen wie Sendeleistung, Frequenzstabilität, Amplitudenfrequenzgang oder Gruppenlaufzeit eines Satelliten gemessen – ohne Einschränkungen für den eigentlichen Satellitenbetrieb. Die Messergebnisse zeigen die tatsächlichen Stärken und Schwächen eines Systems – lehrreiche Informationen für die Entwicklung von Satelliten und künftigen Missionen.
Erste Einsätze
Erste Einsätze mit der frisch eingeweihten Antenne stehen bereits an. So unterstützt das DLR eine Satelliten-Startkampagne für das Technologieunternehmen Intelsat: Der Satellit EchoStar 17 soll bereits in wenigen Tagen, am 05. Juli, in die Umlaufbahn geschickt werden. In Planung ist zudem eine Mission für den spanischen Satellitenbetreiber Hispasat. Hierfür soll die Ka-Band Antenne den Kommunikationssatellit HAG1 im Orbit testen. Der Launch von HAG1 ist für 2014 vorgesehen.
In den kommenden Jahren und Jahrzehnten werden viele Projekte von der leistungsstarken Antenne profitieren können. Sie eignet sich für Messkampagnen von Erdbeobachtungs- und Kommunikationssatelliten ebenso wie für Satellitenmissionen und Forschungsprojekte außerhalb der Erdsphäre. Eine Mondmission etwa oder "Heinrich Hertz", die deutsche Forschungsmission zur Untersuchung neuartiger Kommunikationstechnologien, könnten sich die Anlage in Weilheim zukünftig zu Nutze machen.
Ein wichtiger Meilenstein für die Inbetriebnahme einer europäischen „Datenautobahn“ im All ist erreicht: Am 25. Juni 2012 haben der DLR-Vorstandsvorsitzende Prof. Johann-Dietrich Wörner, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Astrium GmbH, Evert Dudok, und Gerhard Bethscheider, Geschäftsführer der SES ASTRA TechCom S.A. (Luxemburg) im Deutschen Raumfahrtkontrollzentrum beim DLR in Oberpfaffenhofen die Verträge für große Teile des Bodensegments des neuartigen europäischen Datenrelais-Systems EDRS unterzeichnet. Damit steigt Europas Unabhängigkeit in der weltraumgestützten Satellitenkommunikation. Die Verträge haben eine Laufzeit bis 2030.
Größere Datenmengen schneller und über einen längeren Zeitraum zur Erde senden
Basis des geplanten „European Data Relay Systems“ (EDRS) sind zwei geostationäre „Verteiler“-Satelliten, die aufgrund ihrer festen Position im Weltraum die hochratigen Kommunikationsdaten von niedriger fliegenden Erdbeobachtungssatelliten aufnehmen und ohne zeitliche Verzögerungen zur Erde weiterleiten. Damit sind die Satelliten nicht - wie bislang üblich - an die kurzen Kontaktzeiten während ihres Fluges über die jeweiligen Bodenstationen gebunden. „Es können also wesentlich größere Datenmengen schneller und über einen längeren Zeitraum vom All zur Erde übertragen werden. Vor allem für die Umweltbeobachtung ist dies von großer Bedeutung, zum Beispiel für Notfalldienste, bei Naturkatastrophen oder auch für die Wettervorhersage“, verdeutlicht DLR-Vorstandsvorsitzender Wörner. Das EDRS-Programm der Europäischen Weltraumorganisation ESA ist deshalb auch zentraler Bestandteil des GMES-Programms von ESA und EU. GMES (Global Monitoring for Environment and Security) ist ein europäisches Programm zur weltweiten satellitengestützten Umwelt- und Sicherheitsüberwachung.
Public-Private-Partnership-Projekt
Wie die deutsche Radarsatellitenmission TanDEM-X besteht auch das EDRS-Vorhaben aus einer Public-Private-Partnership (PPP): Diesmal jedoch zwischen der ESA als Auftraggeber und der Astrium GmbH als Hauptauftragnehmer. Das DLR ist im Unterauftrag von Astrium für den Aufbau großer Teile des Bodensegments sowie für die Kontrolle der Nutzlast auf dem ersten, so genannten EDRS-A-Satelliten und für die Steuerung und Kontrolle des so genannten EDRS-C-Relay-Satelliten im Regelflugbetrieb über mindestens 15 Jahre zuständig. Dazu entsteht ein eigenes EDRS-Kontrollzentrum im Deutschen Raumfahrtkontrollzentrum des DLR. Die beiden geostationären Relay-Satelliten senden die von den niedrigeren Erdbeobachtungssatelliten gesammelten Datenpakete an insgesamt vier Empfangsantennen, die auf dem Gelände der Bodenstationen in Weilheim (DLR), Redu (Belgien) und im britischen Harwell stehen sollen. Die SES ASTRA TechCom S.A. ist Lieferant der vier Antennen und wird im Auftrag des DLR die Antenne in Redu betreiben. Die Antennen arbeiten im so genannten Ka-Frequenzband und können sehr hohe Datenmengen im Gigabit-Bereich übertragen, speichern und zur Erde weiterleiten.
Optische Laserkommunikation erstmals operativ im Einsatz
Erstmals soll im Rahmen von EDRS auch in Deutschland entwickelte optische Laserkommunikations-Technologie operativ für die Datenübertragung eingesetzt werden. „Die europäische Infrastruktur in der Telekommunikation wird so enorm verbessert“, sagt DLR-Vorstandsvorsitzender Wörner: „Mit EDRS stehen erstmals operativ geostationäre Datenrelais-Dienste für Partner und Kunden weltweit zur Verfügung. Das Vorhaben beinhaltet die Entwicklung der notwendigen Technologien, den Aufbau der Infrastruktur am Boden und im Weltraum und den zuverlässigen Betrieb des Systems.“
Nach seiner Entwicklungsphase soll EDRS ab Ende 2014 mit den ersten beiden GMES-Erdbeobachtungssatelliten des Typs Sentinel für „Verkehr“ auf der unsichtbaren Datenautobahn im All sorgen. An Bord der Sentinels: Kleine Laserkommunikationsterminals, die über eine Entfernung von 45.000 Kilometern Datenmengen von bis zu 1,8 Gigabit pro Sekunde übertragen können. Das entspricht rund 100.000 bedruckten DIN-A-4-Seiten in der Sekunde.
Raumflugkörper Shefex II des DLR erfolgreich gestartet
Zehn Minuten dauerte der Flug - dann landete das kantige Raumfahrzeug Shefex II wieder westlich von Spitzbergen. Die Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) starteten die sieben Tonnen schwere und fast 13 Meter lange Rakete mit ihrer Nutzlast am 22. Juni 2012 um 21.18 Uhr von der norwegischen Raketenstation Andoya. Beim Wiedereintritt in die Atmosphäre überstand Shefex Temperaturen von über 2500 Grad Celsius und sendete Messdaten von über 300 Sensoren zum Boden. "Mit dem Flug von Shefex II sind wir wieder einen Schritt weiter auf dem Weg, ein Raumfahrzeug zu entwickeln, das einfach gebaut ist wie eine Raumkapsel, aber Steuerungs- und Flugmöglichkeiten hat wie zum Beispiel das Space Shuttle - nur deutlich billiger", sagt Projektleiter Hendrik Weihs.
Wissen für den Wiedereintritt in die Atmosphäre
Bereits seit zehn Jahren entwickelt das DLR mit dem Shefex-Programm eine Technologie, mit der ein Flugkörper nach einem Flug ins Weltall wieder unbeschadet in die Atmosphäre eintreten und landen kann. Eckig und kantig ist der Flugkörper Shefex - seine Struktur besteht aus ebenen Flächen, die einfacher und somit kostengünstiger als die üblichen abgerundeten Formen hergestellt werden können. Auch aerodynamisch sind die scharfen Kanten vorteilhaft. Um die hohen Temperaturen zu beherrschen, die beim Eintritt in die Atmosphäre an diesen Ecken entstehen, entwickelten und testeten die DLR-Wissenschaftler verschiedene Hitzeschutzsysteme.
Mit dem Raumfahrzeug Shefex I, das am 27. Oktober 2005 startete, wurden erstmals Daten während eines realen Flugs gesammelt. Damals trat der Flugkörper mit siebenfacher Schallgeschwindigkeit in die Atmosphäre ein, der Flug durch die Atmosphäre dauerte 20 Sekunden. Shefex II hingegen flog bereits mit 11000 Kilometern in der Stunde und somit elffacher Schallgeschwindigkeit durch die Atmosphäre. Dabei erreichte der Flugkörper eine Höhe von etwa 180 Kilometern.
Projekt von sieben DLR-Instituten und -Einrichtungen
Die fliegende Experimentplattform Shefex ist eine Gemeinschaftsarbeit von sieben DLR-Instituten und -Einrichtungen: Das Institut für Aerodynamik und Strömungstechnik führte unter anderem zahlreiche Windkanalversuche durch, berechnete das Strömungsfeld beim Wiedereintritt und stattet den Flugkörper mit Sensoren für die Messung von Temperatur, Druck und Wärmebelastung aus. Das Institut für Bauweisen- und Konstruktionsforschung fertigte den Flugkörper an und entwarf und produzierte unter anderem die keramischen Thermalschutzsysteme. Bei einem dieser Hitzeschutzsysteme strömt während des Wiedereintritts Stickstoff durch eine poröse Kachel und kühlt so den Flugkörper. Das Institut für Flugsystemtechnik testete so genannte Canards, das sind Steuerflächen, mit denen die Lage von Shefex II aktiv gesteuert werden kann. Das Institut für Werkstoffforschung stellte unter anderem keramische Kacheln her, das Institut für Raumfahrtsysteme und die Einrichtung Simulations- und Softwaretechnik entwickelten eine Navigationsplattform zur Lagebestimmung des Raumfahrzeugs während des Flugs. Die Mobile Raketenbasis Moraba des DLR steuerte unter anderem das zweistufige Trägersystem hinzu, steuerte die Rakete und empfing die Daten, die Shefex während des Flugs sendete.
Auf dem Weg zum Raumgleiter
Zurzeit sind ein Bergungsschiff sowie ein Flugzeug auf dem Weg zur Landestelle, um den Flugkörper zu bergen. Gelingt dies, erhalten die Wissenschaftler weitere Daten. "Der Flug von Shefex II ist wieder ein Schritt hin zu einem Raumflugkörper, der höhere Temperaturen übersteht bei größerer Geschwindigkeit und längerer Dauer", sagt Projektleiter Hendrik Weihs. Über 300 Sensoren erfassten während des Flugs unter anderem Temperatur und Druck. Diese Daten empfingen die Forscher noch während des Flugs. "Wir haben eine Flut an Daten, die auch noch in den nächsten Jahren verwendet werden können." 2016 könnte Shefex III starten, der deutlich schneller fliegen, einem Raumgleiter ähneln und 15 Minuten in der Atmosphäre bleiben soll. Ziel der Forschung ist es, mit diesen Daten dann einen Flugkörper zu entwickeln, der nach seinem Start über Tage hinweg Experimente in der Schwerelosigkeit ermöglicht und anschließend unbeschädigt wieder auf dem Boden landen soll.
Heute vor genau fünf Jahren, am 15. Juni 2007 um 04:14 Uhr MESZ, startete der deutsche Radarsatellit TerraSAR-X vom russischen Kosmodrom Baikonur ins All. Das Datum steht für den Beginn einer neuen Phase der Satelliten-Fernerkundung in Deutschland. Auf fünf Jahre ausgelegt, hat der Erdtrabant seine Soll-Lebenszeit jetzt erfüllt – doch sein hervorragender Zustand läßt weitere erfolgreiche Betriebsjahre erwarten.
"Der Betrieb von TerraSAR-X läuft seit fünf Jahren nahezu fehlerlos. Der Treibstoffverbrauch des Satelliten war gering, Solarbatterie sowie Radarinstrumente sind in gutem Zustand, und es sind noch alle Ersatzsysteme vorhanden. Das hätten wir uns nicht besser wünschen können", freut sich Michael Bartusch, Projektleiter der TerraSAR-X-Mission beim Raumfahrtmanagement des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).
Zuverlässig und hochgenau
TerraSAR-X wurde im Auftrag des DLR von Astrium gebaut und ist der erste Erdbeobachtungssatellit, der vollständig in Deutschland entwickelt wurde. Dank der Radarinstrumente an Bord kann die Erdoberfläche unabhängig von Wetterbedingungen, Wolkenbedeckung und Tageslicht vermessen werden. Mit einer Detailgenauigkeit von bis zu einem Meter liefert der Satellit seit Missionsbeginn dabei einmalige Datensätze. Damit hat TerraSAR-X seine Mission voll erfüllt: Die Bereitstellung von hochwertigen SAR-(Synthetic-Aperture-Radar-)Daten im X-Band für Forschung und Entwicklung sowie für wissenschaftliche und kommerzielle Anwendungen. Der kommerzielle Vertrieb der Daten erfolgt seit Anfang 2008 über den deutschen Teil von Astrium GEO-Information Services, der Infoterra GmbH.
Die hohe Genauigkeit und Verlässlichkeit der TerraSAR-X-Daten hat Wissenschaftlern aus unterschiedlichsten Forschungsrichtungen die Entwicklung ganz neue Anwendungen und Verfahren ermöglicht. Besonders gefragt sind Aufnahmen in Zeitreihen, um Veränderungen einer bestimmten Region anhand der hochaufgelösten Satellitenbilder exakt feststellen zu können.
Gletscher und Waldfrösche
Dies trifft etwa auf die Beobachtung von Gletschern in Grönland zu – mit ihrer Fließgeschwindigkeit dienen sie als Indikator für die globale Erwärmung. Für ein Forschungsprojekt der Universität von Washington werden die 20 wichtigsten Ausflussgletscher fünf mal im Jahr vermessen. Besonderer Augenmerk gilt dabei dem Jakobshavn Isbrae, der als einer der schnellsten Gletscher der Welt gilt. TerraSAR-X ist derzeit als einzigster Fernerkundungssatellit in der Lage, Aufnahmen in der notwendigen Auflösung und Zeitreihe für das Projekt zu liefern.
Für Klimaforscher nimmt der deutsche Radarsatellit sogar Waldfrösche in Nordkanada unter die Lupe. Denn die rund acht Zentimeter großen Amphibien sind ebenfalls ein Klimaindikator – verändert sich das Klima und der Lebensraum, wirkt sich das umgehend auf die sensible Population aus. Die Frösche brüten in kleinen Wassertümpeln, die sich in der Auftauperiode nach dem kalten Winter bilden und dann austrocknen. Den hochauflösenden Aufnahmen von TerraSAR-X entnehmen die Wissenschaftler des Terrestrial-Wetland Global Change Network nun, wann sich die Froschtümpel bilden und wie sie sich über die Zeit entwickeln. Zuvor waren sie hauptsächlich darauf angewiesen, Mikrofone aufzustellen und anhand der eingehenden Froschlaute auf den Bestand zu schließen. Mit den neuen Technologien aus der Fernerkundung können die Biologen nun ganz neue Wege gehen.
Berlin Hauptbahnhof
Eine ganz neue Anwendung findet TerraSAR-X auch in der Beobachtung von kritischen Infrastrukturen. Dies gilt für Brücken und insbesondere für Sicherheitsanlagen wie etwa Staudämme. Dank modernster Verfahren kann das Radarauge Verformungen - im Milimeterbereich – hochgenau nachvollziehen. Dies demonstrierten Entwickler vom DLR Oberpfaffenhofen in einer Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München, am Beispiel des Berliner Hauptbahnhofs: Innerhalb eines Jahres verformt sich der Stahlkomplex vertikal um bis zu 1,8 Zentimeter und horizontal zwischen 1,5 und 3,5 Zentimeter. Die Aufnahmen von TerraSAR-X zeigen die saisonalen Unterschiede millimetergenau – in den warmen Jahreszeiten dehnt sich die Stahlkonstruktion aus und erreicht zwischen Juni und September ihren Höchststand. In der kühleren Jahreszeit zieht sich das Material zusammen und der Bahnhof "bewegt sich" wieder zurück.
Naturkatastrophen und Großereignisse
Einen wichtigen Beitrag leistet TerraSAR-X bei Naturkatastrophen, Großunfällen oder humanitären Hilfsaktionen. Für die bestmögliche Hilfe vor Ort benötigen Einsatzkräfte umfassende Lageinformationen – unabhängig von Tageszeit, Wetterlagen, detailliert und aktuell. Für TerraSAR-X kein Problem. Das DLR ist daher Mitglied der "International Charter Space and Major Disasters": Daten zur Notfallkartierung lieferte der Radarsatellit beispielsweise bei dem schweren Erdbeben auf Haiti 2010, den Überschwemmungen in Pakistan 2011 oder der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe in Japan. Zuletzt war TerraSAR-X während des Fußball Champions League Finales in München im Einsatz – für eine Testübung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz zur Lageerfassung bei Großereignissen.
…und: TanDEM-X
In den vergangenen fünf Jahren hat die deutsche Satellitenmission TerraSAR-X eine Vielzahl von Hilfseinsätzen und Projekten erfolgreich unterstützt oder überhaupt erst ermöglicht. Seit Juni 2010 befindet sich der Satellit in guter Gesellschaft. Mit seinem nahezu baugleichen Zwilling TanDEM-X fliegt TerraSAR-X in einer engen Formation um die Erde. Gemeinsam sollen sie ein hochgenaues Höhenmodell des Planeten erstellen. Die eigenen Missionsziele unverändert im Blick, erfüllt TerraSAR-X auch hier alle Erwartungen.
Über die Mission
TerraSAR-X wird im Auftrag des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie realisiert. Es ist der erste deutsche Satellit, der im Rahmen einer so genannten Public Private Partnership (PPP) zwischen dem DLR und Astrium realisiert wird: Die Nutzung von TerraSAR-X-Daten für wissenschaftliche Zwecke liegt in der Zuständigkeit des DLR, das auch die Konzeption und Durchführung der Mission sowie die Satellitensteuerung übernimmt. Astrium beteiligt sich an den Kosten für Entwicklung, Bau und Einsatz des Satelliten. Die Infoterra GmbH, eine eigens zu diesem Zweck gegründete Tochtergesellschaft von Astrium, übernimmt die kommerzielle Vermarktung der Daten.
12. SpaceOps-Konferenz in Stockholm eröffnet
Unter dem Motto "For the benefit of our world" (Zum Nutzen für unsere Welt) hat in Stockholm die internationale Raumfahrt-Fachkonferenz "SpaceOps 2012" begonnen. Bis zum 15. Juni 2012 diskutieren rund 650 Fachleute aus nahezu allen Raumfahrtnationen über den neuesten Stand von Forschung und Entwicklung im Bereich des Raumfahrtbetriebs. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ist Co-Veranstalter.
Das DLR stellt in der schwedischen Hauptstadt das an seinem Standort Oberpfaffenhofen beheimatete Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum (GSOC) und die von hier aus gesteuerten Missionen vor. Auch die DLR Gesellschaft für Raumfahrtanwendungen (GfR), spezialisiert auf Anwendungen im Zusammenhang mit dem europäischen Satellitennavigationssystem Galileo, präsentiert sich im Waterfront Congress Center.
Zum Auftakt der die Konferenz begleitenden Ausstellung besuchte Schwedens König Carl XVI. Gustaf auch den DLR-Stand. DLR-Raumfahrt-Vorstand Prof. Hansjörg Dittus und GSOC-Leiter Prof. Felix Huber zeigten dem schwedischen Staatsoberhaupt unter anderem das digitale dreidimensionale Höhenmodell der Erdoberfläche, das aus Daten der deutschen Erdbeobachtungssatelliten TerraSAR-X und TanDEM-X entsteht.
Ins Leben gerufen wurde die Fachkonferenz "SpaceOps" (Space Operations) von einem Komitee nationaler Raumfahrtagenturen im Jahr 1990. Damals zeichneten sich nach dem Ende des Ost-West-Konflikts neue Kooperationsmöglichkeiten auch in der Raumfahrt ab. Frühes Ergebnis dieser Zusammenarbeit: ein Netzwerk von Bodenstationen, das Satellitendaten über Staatsgrenzen hinweg an Wissenschaftler und politische Entscheider verteilt. Heute stehen die Raumfahrtbetreiber vor neuen Herausforderungen. Dazu gehört neben der ständig wachsenden Datenübertragungskapazität moderner Satelliten, die neue Übertragungsnetzwerke im All notwendig macht, vor allem die Bedrohung durch immer mehr Weltraumschrott. "Für eine Gesellschaft, die sich auf Raumfahrtsysteme und deren Dienste stützt, ist es unerlässlich, diese wertvolle Weltraum-Infrastruktur bestmöglich zu schützen", verdeutlichte Prof. Hansjörg Dittus, DLR-Vorstand für Raumfahrtforschung und -technologie, bei der SpaceOps-Eröffnung. "Die kompetente Erfassung der Weltraumlage in Echtzeit ist die Grundlage für verlässliche zivile und militärische Dienste", so Dittus, der in Stockholm auch für verbindliche internationale Abkommen zur Weltraumnutzung warb.
Zuvor hatte Carl XVI. Gustaf von Schweden in eindringlichen Worten auf die Notwendigkeit von Satellitendaten bei Klima- und Umweltforschung hingewiesen. Das durch Erdfernerkundung gewonnene Wissen helfe der Politik, Entscheidungen zu treffen, die zum Beispiel die Folgen von Naturkatastrophen milderten, betonte der schwedische König weiter.
DLR-Flugkörper besteht letzte mechanische Tests vor dem Start
Bis zu 2000 Schwingungen in der Sekunde auf dem Schütteltisch und zwei Umdrehungen in der Sekunde auf dem Spin-Tisch überstand der Flugkörper Shefex II (Sharp Edge Flight Experiment) im April 2012. Bei diesen Tests wurden zum letzten Mal die Bedingungen simuliert, denen das Raumfahrzeug während des Starts im Sommer 2012 ausgesetzt sein wird. Mit Shefex erforschen die Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), wie ein Raumfahrzeug nach einem Flug ins Weltall möglichst sicher und kostengünstig wieder in die Erdatmosphäre eintreten kann.
Scharfkantig, ausgerüstet mit zahlreichen Experimenten, einer Kamera und Sensoren für Druck, Temperatur und Wärmefluss sowie Antennen - so wird der Shefex-Flugkörper von der Rocket Range auf der norwegischen Insel Andoya in eine Höhe von 250 Kilometer geschossen und anschließend mit elffacher Schallgeschwindigkeit wieder in die Atmosphäre eintreten. "Wir betreten mit der Mission technologisches Neuland", betont Projektleiter Hendrik Weihs vom DLR-Institut für Bauweisen- und Konstruktionsforschung. Das Raumfahrzeug muss Temperaturen von über 2000 Grad Celsius aushalten, wenn es nach seinem Flug wieder durch die Atmosphäre zur Erde zurückkehrt und in der Nähe von Spitzbergen am Fallschirm landet. Ungewöhnlich ist vor allem die Form des Flugexperiments: Während herkömmliche Flugkörper eher abgerundete Formen haben, setzt Shefex II auf Kanten und Ecken. "Die kantige Form hat den Vorteil, daß das Thermalschutzsystem deutlich billiger herzustellen ist. Die scharfe Anlaufkante verbessert zudem die aerodynamischen Eigenschaften", erläutert Projektleiter Weihs. Der Flugkörper besteht dabei aus einzelnen glatten Facetten, die einfacher und somit kostengünstiger hergestellt werden können als beispielsweise die individuell geformten Kacheln eines Space Shuttles. Mit dem Raumfahrzeug testen die Wissenschaftler während des 45-sekündigen Wiedereintritts in die Atmosphäre auch verschiedene Hitzeschutzsysteme. Beteiligt an der Shefex II-Mission sind gleich sechs DLR-Institute und Einrichtungen: das Institut für Aerodynamik und Strömungstechnik, das Institut für Bauweisen- und Konstruktionsforschung, das Institut für Flugsystemtechnik, das Institut für Werkstoffforschung, das Institut für Raumfahrtsysteme sowie die Mobile Raketenbasis Moraba.
Schütteln und Drehen mit Hochgeschwindigkeit
Mit den Tests im Umweltlabor von Astrium Ottobrunn stellten die Wissenschaftler sicher, dass der Flugkörper die Belastungen des Starts und des anschließenden Flugs ohne Probleme absolvieren wird. "Um sich während des Flugs zu stabilisieren, muss sich die Rakete kontinuierlich drehen", erläutert John Turner, verantwortlich für den Einsatz der Mobilen Raketenstation Moraba des DLR, die Shefex von der norwegischen Raketenstation ins Weltall befördern wird. Ähnlich wie einen Autoreifen, der ausgewuchtet wird, balancierten die Ingenieure den Flugkörper für diese Drehungen aus. Außerdem gehörte die Prüfung auf dem Schütteltisch zu den abschließenden mechanischen Tests. In den ersten Sekunden des Starts wird die Nutzlast durch die Erschütterungen auf eine harte Probe gestellt - der Schütteltisch ahmte diese Situation nach. "Nach jedem Test überprüften wir, ob alles noch präzise funktioniert."
Testprogramm für Wiedereintrittstechnologie
Bei der Shefex II-Mission greifen die Wissenschaftler auf ihre Erfahrungen mit dem Flugkörper Shefex I zurück, der am 27. Oktober 2005 von Andoya aus startete. Das Nachfolgermodell Shefex II fliegt allerdings mit doppelter Fluggeschwindigkeit, kann über Steuerelemente beim Wiedereintritt erstmals aktiv gesteuert werden und bietet eine Verdoppelung der Experimentierzeit. Planungen für eine dritte Shefex-Mission beginnen zurzeit. Ziel der drei Missionen ist es, Erkenntnisse für eine neue Art von Wiedereintrittskörper zu sammeln, die nach einer Experimentierphase in der Schwerelosigkeit wieder unbeschadet - und somit wiederverwendbar - zur Erde zurückkehren. Als ein erstes Anwendungsbeispiel wird der REX-Free Flyer (Returnable Experiments in Space) untersucht. Dieser scharfkantige Raumgleiter könnte ab 2020 die Möglichkeit bieten, Experimente in die Schwerelosigkeit zu fliegen, dort einige Tage zu bleiben und anschließend wieder auf einem normalen Flughafen zu landen. "Damit würde sich die Lücke schließen zwischen minutenlanger Schwerelosigkeit bei den TEXUS-Flügen des DLR und der ständigen Schwerelosigkeit an Bord der Internationalen Raumstation ISS", betont Shefex-Projektleiter Weihs.
Das DLR
Das DLR ist das Forschungszentrum der Bundesrepublik Deutschland für Luft- und Raumfahrt. Seine umfangreichen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in Luftfahrt, Raumfahrt, Energie, Verkehr und Sicherheit sind in nationale und internationale Kooperationen eingebunden. Über die eigene Forschung hinaus ist das DLR als Raumfahrtagentur im Auftrag der Bundesregierung für die Planung und Umsetzung der deutschen Raumfahrtaktivitäten zuständig.
Automatische Softwareupdates am heimischen Computer können ziemlich lästig sein: Minutenlang scheint man als Nutzer nicht mehr die ungeteilte Aufmerksamkeit der Maschine zu haben, die Internetverbindung wird langsam, unerklärliche Dinge geschehen im Hintergrund. Im schlimmsten Fall ist sogar ein Neustart notwendig – aber spätestens danach läuft der Rechner üblicherweise wieder.
Ungleich aufwendiger und heikler ist es, wenn die Software eines fliegenden Raumschiffes erneuert werden muss. Kurz vor Ostern 2012 war es für das europäische Raumlabor Columbus wieder einmal so weit – das Modul der Internationalen Raumstation sollte auf „Software Cycle 13“ gebracht werden.
Monate im Voraus schon begannen die Vorbereitungsarbeiten für den „Tag X“. In Bremen wurde die neue Software entwickelt und aufwendig getestet, der europäische Astronaut André Kuipers musste für seine Unterstützungsaufgaben trainiert werden, und am Columbus-Kontrollzentrum des DLR in Oberpfaffenhofen beschäftigte sich ein Spezialistenteam mit der „Transition“. Das Kritische an einer Umstellung der Software an Bord besteht darin, dass insbesondere die lebenserhaltenden Systeme der Raumstation nicht beeinträchtigt werden dürfen. Das gilt auch für den unwahrscheinlichen Fall, dass die neue Softwareversion einen unentdeckten Fehler enthält – in einer solchen Situation muss gewährleistet sein, dass Columbus sofort wieder auf die alte Version umgeschaltet werden kann.
„Wir müssen daher in der kritischen Phase quasi nur eine Hälfte des Systems auf die neue Version bringen, während die andere Hälfte auf der alten Version konfiguriert bleibt. Dann fahren wir Columbus runter und versuchen einen Neustart mit der neuen Version.“, erklärt Gustav Öffenberger, einer der zuständigen Flugdirektoren. „Falls wir uns in der über mehrere Tage angelegten Testphase dann von der Stabilität der neuen Software überzeugt haben, ziehen wir auch den anderen Teil nach.“
Für die Teams in Oberpfaffenhofen bedeutet das einen physikalischen Umzug in einen anderen Kontrollraum – denn auch die Bodensoftware ist betroffen, und während der Hauptkontrollraum als „Rückfallsmöglichkeit“ weiter auf der alten Version läuft, ist der Backup-Kontrollraum für die neue Version eingerichtet und wird operationell geschaltet, sobald Columbus im Orbit umgeschaltet wurde. „Daher ist die Cycle-13-Transition nicht nur für die Flight Controller, sondern auch für uns Ground Controller eine aufregende Angelegenheit“, so Thomas Müller, verantwortlich für das Bodensegment am Deutschen Raumfahrtkontrollzentrum. „Unsere Teams werden zusammen mit den Astronauten diese Ostern mit dem ausführlichen Testen des Gesamtsystems verbringen.“
Auch die Besatzung der Raumstation unterstützte tatkräftig die mehrtägigen Anstrengungen in Oberpfaffenhofen. Die Astronauten mussten nicht nur beim Softwareüberspielen assistieren, sondern waren auch über Stunden mit der Umkonfigurierung von Kabeln und Steckern beschäftigt. Die Besatzung der ISS besteht momentan neben dem Niederländer Kuipers aus drei Russen und zwei Amerikanern. Mit dem Andocken des europäischen Versorgungsraumschiffs ATV letzte Woche ist der Softwareupdate die zweite europäische Aktivität höchster Priorität auf der ISS innerhalb kürzester Zeit.
TU Berlin und Bremer ZARM-Institut erste Teilnehmer
Seit Montag, 2. April 2012, können Studenten der TU Berlin und des ZARM-Instituts (Center of Applied Space Technology and Microgravity) der Universität Bremen ihre praktischen Fähigkeiten bei der Entwicklung einer eigenen Rakete unter Beweis stellen. Die Hochschulen sind die ersten beiden von voraussichtlich neun Teilnehmern des Förderprogramms STERN (Studentische Experimental-Raketen), das vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ins Leben gerufen wurde.
ZEpHyR und DECAN sind schneller als der Schall
Die Studenten des ZARM planen die Entwicklung und den Bau einer einstufigen Rakete mit dem Namen ZEpHyR (ZARM Experimental Hybrid Rocket). Die rund 40 Kilogramm schwere und drei Meter lange Rakete soll etwa 20 Kilometer hoch fliegen und dabei eine Geschwindigkeit von bis zu 2500 Stundenkilometern - also Überschallgeschwindigkeit - erreichen. Als Antrieb dient dabei ein von den Studenten entwickelter Hybridmotor. Im Gegensatz zu reinen Flüssig- oder Feststoffantrieben wird der Hybridmotor mit einer Treibstoffkombination betrieben, bei der einer der beiden Treibstoffe fest und der andere entweder flüssig oder gasförmig ist. Bereits während des Flugs werden die wichtigsten Bahndaten der Rakete zur Bodenstation gefunkt, wo die Studenten das Geschehen live mitverfolgen können.
Ein anderes Konzept verfolgt das Team von der Technischen Universität Berlin. Unter der Bezeichnung DECAN (Deutsche CanSat-Höhenrakete) entwickeln die Studenten eine Rakete, die von einer Ober- und einer Unterstufe angetrieben wird. Die erste Stufe der Rakete soll aus einem Heißwasserantrieb bestehen, bei dem das Wasser unter hohem Druck auf eine Temperatur von 330 Grad Celsius gebracht wird. Der dabei entstehende Wasserdampf treibt die Rakete ebenfalls mit Überschallgeschwindigkeit an. Für die zweite Stufe ist entweder ein Feststoff- oder ein Hybridmotor vorgesehen. Die Startmasse der etwa 4,5 Meter langen Rakete wird zwischen 100 und 150 Kilogramm betragen. Sie soll eine Flughöhe von rund zehn Kilometern erreichen. Auch hier wird eine Telemetrie-Einheit Daten zur Erde senden. Außerdem planen die Studenten ein wissenschaftliches Experiment als Nutzlast mitzunehmen.
Drei Jahre dauert es vom Entwurf bis zur fertigen Rakete
Die Entwicklung der Raketentechnik ist eine große Herausforderung für die Studenten. So führen die Teams unter anderem Computersimulationen durch, bei denen die Strömung innerhalb der Brennkammer und um den Raketenkörper herum ermittelt wird. Hinzu kommen Windkanal- und Motorentests sowie Festigkeitsberechnungen für einzelne Elemente der Rakete wie beispielsweise Tank und Motorgehäuse. Aber auch funktionale Aspekte wie die Zündung der Rakete, der Auswurf des Bergungssystems, die Separation von Stufen oder die Datenübertragung während des Flugs müssen berücksichtigt werden.
Nachdem die Teams alle Hürden von Entwicklung, Bau und Reviews erfolgreich überwunden haben, kann schließlich der Start vom Esrange Space Center bei Kiruna in Nordschweden erfolgen.
Studentenprogramm STERN - Praxiserfahrung für den Raumfahrtnachwuchs
Das Nachwuchsprogramm STERN richtet sich an alle Hochschulen mit der Fachrichtung Luft- und Raumfahrttechnik und hat das Ziel, Studenten möglichst praxisnah an ihr späteres Berufsumfeld heranzuführen. In der dreijährigen Projektlaufzeit lernen die Studenten bereits während ihrer Ausbildung, wie reale Raumfahrtprojekte ablaufen und gemanagt werden. Sie lernen außerdem, systemübergreifend zu denken und als Team zu arbeiten.
Die programmatische Leitung des STERN-Programms erfolgt durch das DLR Raumfahrtmanagement in Bonn. Begleitet werden die Aktivitäten der Hochschulen durch die Mobile Raketenbasis des DLR (MORABA) sowie das DLR Institut für Raumfahrtantriebe in Lampoldshausen. Die beiden Partner werden insbesondere die Reviews begleiten, in denen die Studenten ihr Design gegenüber Experten präsentieren und rechtfertigen müssen. Auf dem DLR-Gelände in Lampoldshausen steht den Studenten außerdem ein Testfeld zur Verfügung, das sie für die Erprobung ihrer Raketentriebwerke nutzen können.
Das STERN-Programm ist langfristig angelegt, um nachhaltig den Forschungsnachwuchs im Bereich der Luft- und Raumfahrttechnik zu fördern. Nach Abschluss des jeweiligen Projekts können die Hochschulen erneut Fördermittel beantragen.
Ein Rendezvous bei 28.000 Stundenkilometern in rund 380 Kilometern Höhe ist auch für erfahrene Raumfahrtingenieure und Astronauten keine Routine: Applaus brandete deshalb nicht nur im ATV-Kontrollzentrum der Europäischen Weltraumagentur ESA in Toulouse auf, als der dritte europäische Raumtransporter mit dem Namen "Edoardo Amaldi" am 29. März 2012 um 0.31 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit (22.31 Uhr Coordinated Universal Time, UTC) an der Internationalen Raumstation ISS angedockt ist.
"Läuft alles planmäßig, wird ATV-3 am 27. August 2012 die Internationale Raumstation wieder verlassen und auf seinem Rückflug beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglühen", erklärt Volker Schmid, Leiter der ISS-Fachgruppe beim Raumfahrtmanagement des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und zuständig für die Koordination der deutschen Beiträge des ATV-Programms der ESA. Das dritte Exemplar der ATV (Automated Transfer Vehicle)-Reihe, benannt nach dem italienischen Physiker und Weltraumpionier Edoardo Amaldi, war vor sechs Tagen, am 23. März 2012, vom Europäischen Weltraumbahnhof in Kourou zur Internationalen Raumstation ISS gestartet. Das 20 Tonnen schwere ATV-3 kann selbständig navigieren und ist automatisch an der Raumstation angedockt. ESA-Astronaut André Kuipers hat den Vorgang mit seinen Kollegen von der ISS aus überwacht.
Das ATV ist das europäische Versorgungs- und Antriebsraumschiff für die ISS. Im Vergleich zu seinen Vorgängern "Jules Verne" (2008) und "Johannes Kepler" (2011) hat Edoardo Amaldi rund 600 Kilogramm zusätzliche Trockenfracht an Bord. Insgesamt bringt ATV-3 knapp sieben Tonnen Nutzlast zur ISS. "Neben Nahrung und Kleidung, Wasser und Luft, Experimenten und medizinischer Ausstattung ist das vor allem Treibstoff für das russische Swesda-Modul - hier dockt ATV-3 an - und für die neun geplanten ISS-Bahnkorrekturen, die bis August vorgesehen sind", sagt DLR-Experte Schmid. Diese Manöver sind in regelmäßigen Abständen notwendig, um das Abbremsen der ISS durch den Widerstand der Atmosphäre und den damit einhergehenden Höhenverlust auszugleichen.
Zur wertvollen Fracht gehört aus wissenschaftlicher Sicht auch ein so genannter Re-entry Break-up Recorder (REBR). Dieses Gerät zeichnet die Beschleunigungen von ATV-3 beim Wiedereintritt auf und verglüht nicht. Volker Schmid: "Der Rekorder sendet in seiner letzten Flugphase die Daten über einen Iridium-Kommunikationssatelliten zur Bodenstation. Daraus lassen sich für uns Rückschlüsse über die Kräfte ziehen, die beim Wiedereintritt auf das ATV wirken." Zudem hat ATV-3 neun Experimente und Hardware zur ISS gebracht, darunter z. B. zwei Experimentmodule für die amerikanische Weltraumbehörde NASA, neue Proben für das ALTEA-Shield-Strahlendosimetrie-Experiment der ESA, Material zur Aufnahme von Proben menschlicher Ausscheidungen für das ENERGY-Experiment der ESA, Elektronikersatzteile für das BIOLAB-Labor im europäischen Columbus-Modul der ISS und Messgeräte für das NASA-Experiment VO2Max, das sich mit Veränderungen des Lungenvolumens in Schwerelosigkeit befasst. Außerdem transportiert ATV-3 eine besondere Pumpe zur Flüssigkeitsregulierung zur ISS; diese gehört zu einem System, mit dem die Astronauten Urin in Trinkwasser umwandeln können.
Edoardo Amaldi besteht aus einem Antriebsmodul mit vier Haupttriebwerken und 28 kleinen Triebwerken für die Lagekontrolle, einem Avionikmodul mit der Elektronik, die für die Mission notwendig ist, und dem integrierten Frachtraum. Dieser hat direkt am Swesda-Modul der ISS angedockt und kann in den nächsten Monaten nach und nach von den Astronauten an Bord der Raumstation entladen werden. Das Andocken selbst dauerte etwa dreieinhalb Stunden und wurde auf den letzten 250 Metern vor der Kopplung von vier optischen Sensoren ausgeführt. Diese zielten mit Laserimpulsen auf Reflektoren am Swesda-Modul, um Abstand, relative Lage und Geschwindigkeit der Annäherung zu messen. ATV-3 stoppte zunächst rund 40 Kilometer hinter der ISS und näherte sich dann peu à peu an die Raumstation an.